Von Stimmenkauf war vor und nach den Abstimmungen die Rede: die Staatsanwalt hat sich bereits eingeschaltet, sie will das Ergebnis des Misstrauensvotums in Rom überprüfen. Was nun, wie geht es weiter? Doch was nun? Berlusconi hat es zwar geschafft, über eine stabile politische Mehrheit verfügt er bei weitem nicht. Die Zweifel bleiben bestehen, das Vertrauen in diese Regierung ist weiterhin gering – vor allem auch deshalb, weil letztlich drei „abtrünnige“ FLI-Anhänger die Regierung Berlusconi retteten (lesen Sie hier nach, wie die Abstimmungen im Senat und in der Abgeordnetenkammer verliefen und zu welchen Tumulten es in der Kammer kam).Berlusconi will Casini mit ins Boot holen Bereits kurz nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses in der Abgeordnetenkammer beeilte sich Berlusconi ein politisches Statement abzugeben. Er erneuerte das Angebot, mit der gemäßigten Zentrumspartei UDC von Pier Ferdinando Casini zusammenzuarbeiten. Ein Einschluss der UDC in die Regierung sei durchaus denkbar, erklärte Berlusconi. Auch Lega-Nord-Chef Umberto Bossi, bisher vehementer Gegner von Casini und dessen Partei, erklärte, dass es seinerseits kein Veto geben werde, außer in Sachen Föderalismus. Casini reagiert (noch) ablehnend Noch zeigt Casini Berlusconi allerdings die kalte Schulter: „Berlusconi hat gewonnen, jetzt muss er regieren“, unterstrich der UDC-Leader in einer ersten Stellungnahme: „Schafft er es nicht, dann muss es Neuwahlen geben. Wir werden dann den Italienern eine Alternative bieten, eine, die sich klar von den Programmen des PD und des PDL unterscheidet“. Mit den Politikern, die das Misstrauensvotum gegen Berlusconi im Parlament angestrengt hätten, werde es weiterhin Gespräche geben, vor allem mit Kammerpräsident Gianfranco Fini, erklärte Casini. Fini lehnt Rücktrittsforderung ab Dieser erlebte gestern eine seiner schwärzesten politischen Stunden. Zwei seiner Anhängerinnen, die beiden FLI-Abgeordneten Catia Polidori und Anna Maria Siliquini, stimmten im letzten Moment für den Regierungschef und sicherten ihm damit die Macht. Mehrere PDL-Abgeordnete forderten nach der Abstimmung Finis Rücktritt als Kammerpräsident – bisher lehnte er einen solchen ab. Napolitano fordert Berlusconi zum Weiterregieren aufStaatspräsident Giorgio Napolitano forderte Berlusconi noch am Dienstagabend zum Weiterregieren auf – allerdings mit einer stabilen Koalition. Er sprach sich im Gespräch mit dem Regierungschef vorerst gegen Neuwahlen aus. Bürgerkriegsähnliche Zustände in Rom Der Sieg von Silvio Berlusconi wurde von schweren Krawallen und Ausschreitungen im historischen Zentrum von Rom begleitet. Hunderte Berlusconi-Gegner und Demonstranten verwüsteten bei Straßenschlachten mit der Polizei Teile der Altstadt. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt.Die Demonstranten setzten unter anderem ein Fahrzeug der Stadtreinigung und ein Auto der Finanzpolizei in Brand. Andere zündeten im Zentrum von Rom drei selbst gebaute Sprengsätze in einer Gasse in der Nähe des Abgeordnetenhauses und bewarfen die Polizisten mit Eiern und Farbbeuteln.joi/apa