Mittwoch, 27. März 2019

Wien: Mann nach Anschlägen auf Züge in Deutschland festgenommen

Im Zusammenhang mit Anschlägen auf ICE-Bahnstrecken in Deutschland ist am Montag in Wien ein Terrorverdächtiger festgenommen worden. Der 42-jährige Iraker stehe „im dringenden Verdacht, im Oktober und Dezember 2018 in Deutschland terroristische Anschläge auf Bahnstrecken durchgeführt zu haben”, teilte die Staatsanwaltschaft Wien am Mittwoch mit.

Die Polizei suchte die ICE-Strecke nach Stahlseil-Vorfall ab. - Foto: APA (dpa/Archiv)
Die Polizei suchte die ICE-Strecke nach Stahlseil-Vorfall ab. - Foto: APA (dpa/Archiv)

Der festgenommen Iraker zeigte sich laut Staatsanwaltschaft Wien tatsachengeständig, bestreitet jedoch einen terroristischen Hintergrund. Die Einlieferung in die Justizanstalt Josefstadt wurde angeordnet. Die Ermittlungen laufen gemeinsam mit deutschen und europäischen Behörden.

Bayerische und Berliner Ermittler sind derzeit in Wien, um an der Vernehmung teilzunehmen und die österreichischen Ermittler zu unterstützen, wie die Generalstaatsanwaltschaften von München und Berlin sowie die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) und Berlin am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung mitteilten.

Dem 42-Jährigen wird „das Verbrechen der terroristischen Straftat des versuchten Mordes, der terroristischen Straftat der schweren Sachbeschädigung, der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation zur Last” gelegt. Dafür gilt eine Strafdrohung bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe, teilte die Staatsanwaltschaft Wien mit.

Laut „Kronenzeitung” (Mittwoch-Ausgabe) war der Terrorverdächtige ein anerkannter Flüchtling und arbeitete als Mitarbeiter einer Security-Firma unter anderen vor Supermärkten und in Fußballstadien. Demnach soll der Iraker 15 Jahre lang in der irakischen Armee gedient haben.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann lobte unterdessen die hervorragende Arbeit der Ermittler. „Dank der hervorragenden internationalen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich konnte damit der vermutlich hochgefährliche Täter aus dem Verkehr gezogen werden”, erklärte Hermann in einer Aussendung. „Die Ermittlungen werden jetzt mit Hochdruck fortgeführt, um die weiteren Hintergründe aufzuklären”, kündigte Herrmann an. Das betreffe insbesondere einen möglichen Bezug der Taten zum „Islamischen Staat” und die Frage, ob es Hintermänner gegeben haben könnte.

Im Oktober hatten mehrere Täter auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und München ein Stahlseil über die Bahngleise gespannt. Die Frontscheibe eines ICE wurde durch das Seil beschädigt, der Zug entgleiste aber nicht, weshalb nur Sachschaden entstand. In einem anderen Fall wurden Betonplatten auf die Gleise gelegt. Nur aufgrund eines technischen Fehlers sei es nicht zur geplanten Tötung von Menschen gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft Wien mit. In der Nähe des Tatorts wurden damals Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine IS-Flagge gefunden.

apa

stol