Donnerstag, 24. Januar 2019

Zeller geht: „Habe in 25 Jahren alles gehabt“

Vor 25 Jahren rückt er für Silvius Magnago in der 6er- und 12er-Kommission nach. Jetzt sieht Ex-Senator Karl Zeller die Zeit gekommen, sein Mandat zur Verfügung zu stellen. Dem Tagblatt „Dolomiten“ sprach er über seine Beweggründe.

Karl Zeller verlässt nach 25 Jahren die 6er- und 12er-Kommission.
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Karl Zeller verlässt nach 25 Jahren die 6er- und 12er-Kommission. - Foto: © D

„Dolomiten“: Herr Zeller, die Autonomiekommission ist zu erneuern. Sind Sie wieder dabei? 

Karl Zeller: Ich glaube nicht, dass dies der Fall sein wird. Nach 25 Jahren bin ich das dienstälteste Mitglied, das die 6er- und 12er-Kommission je hatte. Alfons Benedikter hat uns 17 Jahre vertreten. Zumal sicher andere hineinwollen, stelle ich mein Mandat zur Verfügung.

„D“: Kann man Sie da noch umstimmen?

Zeller: Ich habe eigentlich abgeschlossen und bin orientiert, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Wenn es eine Kampfabstimmung wird, schon gar nicht, aber auch darüber hinaus möchte ich mich in keine Personaldebatten hineinziehen lassen. Wir haben, wie gesagt, in der Partei noch nicht darüber geredet, doch in 25 Jahren habe ich alles gehabt und brauche keinen Appendix. Ich muss nicht 30 Jahre in der 6er-Kommission sitzen. Alle schönen Dinge im Leben gehen vorbei, und deshalb soll man gehen, solang sie schön sind.

„D“: Steger, Alfreider, Durnwalder, Schullian – die Liste der Kandidaten für die Autonomiekommission ist lang. Wen sehen Sie vorne?

Zeller: Da mische ich mich sicher nicht ein. Wir haben in der letzten Legislatur allerdings ein Verfassungsgesetz gemacht, um die Ladinervertretung zu garantieren. Staat und Italiener verzichten sicher nicht zugunsten des Ladiners auf eine Position, weshalb dies wohl an der SVP liegen wird. Alles andere wäre reichlich komisch.

„D“: 25 Jahre sind eine lange Zeit. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Tag in der 6er-Kommission?

Zeller (lacht): Klar. Die 6er-Kommission war für mich ein Mythos, Alcide Berloffa deren Präsident – und ich bin für Silvius Magnago nachgerückt. Als ich als tatendurstiger Neuling in Berloffas Büro kam, teilte der mir lächelnd mit, ich solle mir keine großen Hoffnungen machen, denn meine Vorgänger hätten bereits alles erledigt. Übrig sei lediglich die Sanierung von 300 Postbeamten, die in Trient ohne Zweisprachigkeit angestellt und nach Bozen versetzt waren. Nicht gerade ideal...

„D“: In 25 Jahren haben Sie alle Höhen und Tiefen erlebt. Die bitterste Pille war...?

Zeller: In 25 Jahren die größte Enttäuschung war der Umfaller von Roberto Bizzo in der Ortsnamensfrage. Genützt hat er ihm nichts, denn die Wähler haben ihn trotzdem verschickt. Leider blieb damit auch für Südtirol ein Dauerstreitfall weiter bestehen.

„D“: Und der schönste Moment?

Zeller: Da gab es mit über 80 Durchführungsbestimmungen viele – und als Sahnehäubchen drauf im letzten Herbst noch die primäre Zuständigkeit des Landes für die Energie.

„D“: Gibt es in den Autonomiekommissionen überhaupt noch viel zu holen?

Zeller: Schwierig. In Sachen Wolf käme man mit der Lega durchaus weiter, die 5-Sterne haben aber keine Freude, wenn man Wölfe erlegt. Wenn ein Teil der Regierung etwas will und der andere nicht, geschieht im Regelfall aber gar nichts.

„D“: Zeller als Polit-Pensionist, geht das überhaupt?

Zeller: Ich bleibe ja SVP-Vizeobmann, und ich habe mein Archiv mit Kisten voller Unterlagen aus der 6er- und 12er-Kommission in meinem Keller. Irgendwann, wenn ich 80 bin, schreibe ich darüber ein Buch.

Interview: Barbara Varesco

stol