Dienstag, 16. Oktober 2018

(Zu) Viel Polit-Prominenz in Südtirol

Ein derartiges Aufgebot an hochrangigen nationalen und österreichischen Politiker hat es vor einer Südtiroler Landtagswahl selten gegeben. Gleich mehrere Mitglieder der italienischen und österreichischen Regierung besuchten in den vergangenen Tagen und Wochen Südtirol.

der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Mitte September bei einer SVP-Wahlkampfveranstaltung. - Foto: DLife
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der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Mitte September bei einer SVP-Wahlkampfveranstaltung. - Foto: DLife

Interessantes Phänomen

Dass derart politische Schwergewichte aus Rom und aus Österreich im Wahlkampf in Südtirol mitmischen, sei „ein sehr interessantes Phänomen“, sagt die Politikwissenschaftlerin vom Institut für Minderheitenrecht der Eurac in Bozen, Verena Wisthaler, im Gespräch mit der APA. Der zunächst schleppend angelaufene Wahlkampf sei erst mit dem Auftritt von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Mitte September bei einer SVP-Wahlkampfveranstaltung richtig in Fahrt gekommen, sagt sie. „Für die SVP ist die Landtagswahl am Sonntag eine besonders wichtige Wahl“, so die Politologin.

Salvini-Show am Wochenende

Auch der populäre Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini rührt persönlich die Werbetrommel in der Provinz. Sein Showtalent zeigte der für seine markigen rechten Sprüche bekannte Salvini am Wochenende bei einem unüblichen Besuch am traditionellen Fest der Kastelruther Spatzen. Das jährliche Spatzenfest ist ein gänzlich unpolitisches jährliches Massenevent für Fans der volkstümlichen Musik, viele davon reisen aus Deutschland an. Trotzdem wurde Salvini dort frenetisch empfangen. Auf zahlreichen Videos, die im Internet kursieren, ist zu sehen, wie der Innenminister von Fans umringt wird, die ein Selfie mit ihm machen wollten. (STOL hat berichtet)

Für Donnerstag hat er sich bereits erneut angesagt.

Werbetrommel wird kräftig gerührt

Für deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit sorgten dagegen die Besuche österreichischer Minister von der FPÖ. Verkehrsminister Norbert Hofer flog mit dem EU-Abgeordneten Harald Vilimsky ein, um für die Schwesterpartei, die Südtiroler Freiheitlichen, die Werbetrommel zu rühren. An diesem Montag folgte Vizekanzler Heinz Christian Strache (FPÖ), auch er warb erneut für das umstrittene Projekt der Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler. Österreich werde an dem Vorhaben trotz des Widerstands der italienischen Regierung festhalten, versicherte er.

Die wichtigsten Themen im Wahlkampf vor der Landtagswahl am kommenden Sonntag waren aber andere. Neben dem Gesundheitswesen ging es vor allem um die Themen Verkehr, leistbares Wohnen und Migration.

In einem Beitrag hat sich Südtirol Heute die Frage gestellt, warum die Südtiroler die Politiker von außen mit so großer Begeisterung aufnehmen.

Große Aufmerksamkeit

An die ungewohnt große Aufmerksamkeit von Polit-Prominenz werden sich die Südtiroler aber möglicherweise bald gewöhnen müssen. Sollte Österreich tatsächlich wie geplant den deutsch- und ladinischsprachigen Südtirolern den Doppelpass anbieten, dürften sich künftig nicht nur vor Landtags-, EU- und Parlamentswahlen in Italien Politiker in Südtirol um Wählerstimmen bemühen, sondern auch vor Nationalrats- und Bundespräsidentenwahlen im angrenzenden Österreich Wahlkampf machen.

apa/stol

stol