Montag, 13. November 2017

"Azzurri" zum Siegen verdammt

Für den italienischen Fußball wäre es ein Weltuntergang. Verbandschef Carlo Tavecchio sprach von einer Apokalypse, sollten die "Azzurri" die Fußball-WM verpassen. Beim heutigen Rückspiel in Mailand gegen Schweden steht Italien nach einer schlechten Leistung und einer 0:1-Niederlage im Hinspiel mit dem Rücken zur Wand.

Letzte Trainingseinheiten vor dem Showdown gegen Schweden.
Letzte Trainingseinheiten vor dem Showdown gegen Schweden. - Foto: © LaPresse

Dem vierfachen Fußball-Weltmeister Italien droht zum ersten Mal seit 60 Jahren bei einer WM die Zuschauerrolle.

Nach dem 0:1 im Quali-Play-off-Hinspiel in Schweden steht die „Squadra Azzurra“ am Montag (20.45 Uhr) in Mailand im Kampf um ein Ticket für die Endrunde 2018 in Russland mit dem Rücken zur Wand. 

Schweden träumt 

Der ziemlich glanzlose Auftritt der Italiener in Solna lässt die Schweden vom großen Coup träumen. Die Wende zugunsten der Italiener scheint aber durchaus realistisch, vor allem wenn man die Statistik heranzieht.

Italien ist seit 44 Pflichtspielen zu Hause unbesiegt und gewann dabei gleich 36 Mal. Ein weiterer Erfolg am Montag würde aber nur im Falle von zwei Toren Unterschied aufgrund der Auswärtstorregel für den fixen Aufstieg reichen. Bei 1:0 nach 90 Minuten gebe es eine Verlängerung.

Buffons letztes Spiel? 

„Wir müssen mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen, sonst haben wir schon verloren“, betonte Kapitän Gianluigi Buffon. Im Falle einer Niederlage könnte das 175. Länderspiel das zugleich letzte des 39-Jährigen gewesen sein. Das soll unbedingt vermieden werden, der Routinier will mit dann 40 Jahren im kommenden Sommer noch seine sechste WM absolvieren.

„Wir wissen, dass wir verloren haben, aber wir haben noch 90 Minuten, um die schwierige Situation zu meistern. Wir müssen klar im Kopf bleiben und erhobenen Hauptes ins Spiel gehen“, gab Buffon die Marschroute vor. Er war im Hinspiel gegen einen von Daniele de Rossi noch abgefälschten Schuss von Jakob Johansson (61.) machtlos. Während den Schweden das nötige Glück zur Seite stand, verzeichneten die Italiener durch Matteo Darmian (70.) einen Stangenschuss.

„Hässliches Italien am Abgrund“

Harte Kritik von den Medien war die Folge. Hässliches Italien, halbe Apokalypse, am Abgrund oder azurblaue Scham, war in den Gazzetten zu lesen. Sollte der Weltmeister von 1934, 1938, 1982 und 2006, der zudem 1970 und 1994 im Finale stand, tatsächlich zum ersten Mal seit 1958 (in Schweden) eine WM verpassen, wird diese noch heftiger ausfallen.

Für Trainer Gian Piero Ventura ist es daher so etwas wie ein Schicksalsspiel. „Wir müssen das Ergebnis in Mailand umdrehen“, sagte der seit Juli 2016 tätige 69-Jährige.

Statistik spricht für Italien

Die Fans sollen im San-Siro-Stadion ihren Beitrag leisten. „Ich erwarte ein volles Stadion, mithilfe der Fans werden wir es schaffen“, gab sich Buffon optimistisch. Schlecht für die Gastgeber ist, dass mit Marco Verratti der Spielmacher gesperrt fehlt. Abwehrspieler Leonardo Bonucci soll trotz gebrochener Nase die Zähne zusammenbeißen. „Eine WM ohne Italien ist nicht möglich“, sprach Italiens Offensivspieler Lorenzo Insigne aus, was wohl alle in seiner Heimat denken.

Italien hat im Head-to-Head mit Schweden mit elf Siegen bei je sechs Remis und Niederlagen die Nase vorne. In Italien gab es für die „Azzurri“ nur eine Niederlage bei sieben Siegen und zwei Unentschieden. Gegen Schweden spricht zudem, dass es in den jüngsten vier Auswärts-Pflichtspielen gleich drei Niederlagen gab. Vor der jüngsten WM hatten sie ebenfalls im Play-off, damals gegen Portugal, das Nachsehen gehabt.

dpa/apa/stol

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