Samstag, 05. September 2015

„Das Herz der Formel 1“ - Ferrari & Co. kämpfen um Monza

Wie seit Jahren wird auch dieses Wochenende um die Zukunft des Formel-1-Grand-Prix von Italien in Monza diskutiert. Bernie Ecclestone will 25 Millionen Euro Antrittsgeld, Monza bietet 15. Und etwas, das nicht zu kaufen ist. „Die Formel 1 hat ein Herz. Dieses Herz ist Monza und wir müssen es beschützen“, warf Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene die große Historie des Rennens in die Waagschale - ebenso wie bereits Premier Matteo Renzi.

Bernie Ecclestone bekommt nunauch Gegenwind von Maurizio Arrivabene.
Bernie Ecclestone bekommt nunauch Gegenwind von Maurizio Arrivabene. - Foto: © STOL

Tatsächlich gehört Monza zu jenen Strecken, die auf die meiste Geschichte und Tradition der „Königsklasse“ verweisen können. Um die WM gefahren wird im Königlichen Park nördlich von Mailand mit einer Ausnahme (1980) seit 1950, am Sonntag steht nach eigener Zählweise der 86. Italien-GP auf dem Programm.

„Jeder Mensch, der seine eigene Kultur aufgibt, verliert seine Wurzeln und ist kein Mensch mehr“, gab sich Arrivabene einerseits philosophisch, andererseits auch pragmatisch. „Nichts gegen die anderen Rennen, denn die Formel 1 ist eine internationale Show. Aber selbst diese Show würde ihr Herz verlieren“, sagte der Ferrari-Teamchef.

Ecclestone hat freilich längst begonnen, den Boden strategisch vorzubereiten. Der Säckelwart von Haupt-Eigentümer CVC droht Monza seit längerem, das bis nur noch 2016 gesicherte Rennen abzublasen und an einen anderen Ort zu vergeben.

Nur noch 8 von 21 Rennen in Europa

Die Tendenz ist offensichtlich. Gleich 21 Rennen stehen 2016 inklusive Neuzugang Baku in Aserbaidschan auf dem Programm, nur noch acht davon sind in Europa.

Monza mache seit Jahren, was es wolle, klagte Ecclestone. Man verlange nicht mehr als das, was andere Strecken auch zahlen würden, konterte der Formel-1-Geschäftsführer. Ecclestone ist wegen der sinkenden TV-Einnahmen mehr denn je auf die Lizenzgebühren angewiesen.

Die Italiener verweisen u.a. darauf, dass sie in den vergangenen zehn Jahren 70 Mio. Euro im Autodromo Nazionale investiert haben. 

„Im Moment ist die Erneuerung des Vertrags aber unwahrscheinlich“, ließ Ecclestone vor dem Wochenende die Tür nur noch ein kleines Stück offen.

Ob sie Sonntag wieder weiter aufgeht, liegt nun auch an Matteo Renzi. Der Ministerpräsident kommt höchstpersönlich an die Rennstrecke, um mit Ecclestone zu feilschen. Auch Renzi brachte eine klare Botschaft mit. „Die Formel 1 lebt auch von Symbolen, nicht nur von Geld. Das werden wir Ecclestone klar sagen. Hände weg vom Großen Preis in Monza“, meinte er in einem Interview (STOL hat berichtet).

dpa

stol