Donnerstag, 10. November 2016

Seine Frau starb unter einer Lawine: Hargin dennoch am Start

Noch immer in tiefer Trauer um seine Ehefrau geht Mattias Hargin kommenden Sonntag beim ersten Saison-Slalom in Levi an den Start.

Mattias Hargin hat den schlimmsten Sommer seines Lebens hinter sich. Seine Frau starb unter einer Lawine.
Mattias Hargin hat den schlimmsten Sommer seines Lebens hinter sich. Seine Frau starb unter einer Lawine. - Foto: © APA/EPA

Der schwedische Kitzbühel-Sieger von 2015 hat vergangenen Juli seine frisch angetraute Frau, die Freeski-Fahrerin Matilda Rapaport, bei einem Lawinenunglück in Chile verloren. Ergebnisse sind bei Slalom-Spezialist Hargin deshalb vorerst Nebensache.

Denn nach dem tragischen Unfall seiner Frau, die wenige Monate nach der Hochzeit bei Dreharbeiten für einen Promotion-Film unter eine Lawine gekommen war, hatte der 31-jährige Hargin auch mit einem Karriere-Ende spekuliert. Zu traumatisch sei das Erlebte gewesen, erinnert sich Hargin an den „Albtraum“ vom Sommer. Nach der Lawinenbergung lag seine Frau in kritischem Zustand im Krankenhaus von Santiago de Chile, ehe sie nach einigen Tagen im Koma verstarb.

Er war dort, als „Matilda ging“

„Es war Chaos und ein Riesen-Schock“, versuchte sich Hargin unlängst beim schwedischen Medientag an die Gefühle von damals zu erinnern. Zuvor hatte er in seinem Blog einen berührenden Liebesbrief an seine erst im Frühjahr im schweizerischen Engelberg geehelichte Frau geschrieben. Versehen mit der Bitte, nicht öffentlich daraus zu zitieren.

Hargin war unmittelbar nach der Unfall-Nachricht mit Rapaports Mutter nach Chile geflogen und hatte noch einige Tage an der Seite Matildas verbracht, ehe sie starb. „Es war eine schwierige Situation. Aber es war wichtig, dort und mit ihr zu sein, bevor Matilda ging“, erzählte der Skirennfahrer aus der Hauptstadt Stockholm. „Auch für mich wurde es dadurch möglich, alles zu verarbeiten.“

Es sei richtig, weiterzufahren

Beim Trauern und Verarbeiten halfen dem bisherigen Mentalcoach-Verweigerer die Familie und Freunde sowie Cecilia Duvberg, die Mentalbetreuerin seiner Frau. „Vor allem die Bilder von der Hochzeit anzusehen, schmerzt unendlich“, gestand er. Gleichzeitig kam er auch zur Erkenntnis: „Das, was uns am meisten verbunden hat, hat mir meine Frau genommen. Aber wir haben uns so viel geteilt, vor allem die Liebe zum Skifahren. Deshalb habe ich begriffen, dass es richtig ist, weiterzufahren.“

Bald habe er sich deshalb auch wieder auf das Skifahren konzentriert. Nach vorne zu schauen habe verhindert, sich zu verkriechen, erzählte der Rennläufer. Trotzdem hat Hargin keine Vorstellung davon, wie es ihm bei seinem ersten Rennauftritt nach dem Unglück gehen wird.

apa

stol