Montag, 20. November 2017

Anklage fordert drei Jahre Haft für Anton Schlecker

Der Bankrottprozess gegen Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker geht dem Ende entgegen. Am Montag halten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Schlussvorträge. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, soll Schlecker für drei Jahre ins Gefängnis. Diese Strafe beantragten die Vertreter der Anklage im Bankrottprozess gegen den 73-Jährigen am Vormittag in ihrem Plädoyer am Landgericht Stuttgart.

Der 73-jährige Anton Schlecker muss sich vor Gericht verantworten. - Foto: APA (dpa)
Der 73-jährige Anton Schlecker muss sich vor Gericht verantworten. - Foto: APA (dpa)

Aus ihrer Sicht hat Schlecker vor der Insolvenz der einst größten Drogeriemarktkette Europas mehrere Mio. Euro beiseitegeschafft und damit dem Zugriff der Gläubiger entzogen. Außerdem soll Schlecker jahrelang überhöhte Stundensätze an die Logistik-Tochterfirma LDG gezahlt und damit ebenfalls einen Millionenschaden verursacht haben.

Der 73-Jährige bestreitet das. Im Prozess hat er betont, bis zuletzt fest an das Überleben der Firma geglaubt zu haben. Europas ehemals größte Drogeriekette hatte im Jänner 2012 Insolvenz angemeldet. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und genau so viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz.

Zentraler Punkt in dem Verfahren ist die Frage, wann Anton Schlecker hätte wissen müssen, dass sein Imperium zahlungsunfähig ist - denn von da an hätte er keinen Cent mehr daraus abziehen dürfen. Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich von Ende 2009 ausgegangen und hatte auf dieser Basis eine Schadenssumme von mehr als 25 Mio. Euro errechnet. Inzwischen tendiert sie zu einem späteren Zeitpunkt. Entsprechend hat sich die Liste der Vorwürfe, die teilweise nur bestimmte Zeiträume umfassen, reduziert.

Vor gut einer Woche hatten Schlecker und seine Kinder weitere 4 Mio. Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt. Lars und Meike steuerten je eine Mio. Euro bei, Schleckers Frau überwies auf Bitten ihres Mannes 2 Mio. Euro. Er selbst, sagte Anton Schlecker im Gericht, habe durch die Insolvenz sein gesamtes Vermögen verloren. Lars Schlecker sprach in einer persönlichen Erklärung von „Schadenswiedergutmachung”.

2013 hatte die Familie schon einmal gut 10 Mio. Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt. Das Geld fließt in die Insolvenzmasse, insgesamt haben die Gläubiger mehr als 1 Mrd. Euro an Forderungen angemeldet. Einen Teil davon will der Verwalter über Schadenersatzklagen gegen einstige Lieferanten eintreiben.

apa/dpa

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stol