Freitag, 29. April 2016

„Arbeit ist ein Menschenrecht“ - auch für Flüchtlinge

„Arbeit ist ein Menschenrecht: Wer arbeitet, hat einen Platz in der Gesellschaft, kann für sich und seine Familie sorgen, erfährt Wertschätzung und stärkt sein Selbstvertrauen“, verweisen die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente anlässlich des Feiertages am 1. Mai auf den Wert von Arbeit. Diese erleichtere auch Flüchtlingen ihr Schicksal.

Eine Arbeit regelt den Tagesablauf, stärkt das Unabhängigkeitsgefühl und bietet Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben:
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Eine Arbeit regelt den Tagesablauf, stärkt das Unabhängigkeitsgefühl und bietet Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben:

„Nur wer arbeiten darf, kann sich ein neues Leben aufbauen, sich integrieren und nützlich machen“, sind Kripp und Valente überzeugt. War es Asylantragstellern anfangs verboten zu arbeiten, ist ein Arbeitsverhältnis mittlerweile bereits zwei Monate nach Asylantragstellung möglich. Allerdings tun sich Flüchtlinge schwer, eine Arbeitsstelle zu finden.

„Viele Arbeitgeber scheuen sich, Flüchtlinge aufzunehmen, weil sie die Sprache nicht so gut beherrschen, der Ausgang des Asylverfahrens ungewiss ist und sie bürokratische Schwierigkeiten befürchten“, sagt Leonhard Voltmer von der Caritas Flüchtlingsberatung.

„Dabei können Arbeitgeber mit Flüchtlingen jede Form von Arbeitsvertrag abschließen, auch zeitlich befristete“, sagt Voltmer. Für Handwerksbetriebe sei die so genannte berufsqualifizierende Lehre eine gute Lösung und in der Landwirtschaft seien die üblichen Saisonarbeitsverhältnisse möglich. „Beratung zu den genannten Arbeitsvertragsformen erhält man jeweils bei der INPS, beim Amt für Lehrlingswesen und dem Bauernbund“, empfiehlt Voltmer.

Dauer und Sprache sind nicht immer Hinderungsgrund

Was die angesprochenen Unsicherheiten vonseiten der Arbeitgeber anbelangt, seien diese nicht wirklich ein Hinderungsgrund: „Bis zur Entscheidung über das Asylverfahren ist freilich nicht garantiert, dass der Arbeitnehmer auf Dauer bleiben kann, andererseits ist das auch bei anderen Saisonarbeitskräften nicht der Fall. 

Mangelnde Sprachkenntnisse mögen zunächst zwar nachteilig sein. Allerdings sprechen viele Flüchtlinge Englisch und in manchen Tätigkeiten kommen sie damit gut zurecht, während sie gleichzeitig die tägliche Arbeitssprache – oft Dialekt – mitbekommen und erlernen“, weiß Voltmer aus Erfahrung. 

Jedenfalls gäbe es beispielsweise unter den Bewohnern der verschiedenen Flüchtlingshäuser in Südtirol eine Reihe von fähigen Arbeitern. „Viele junge Burschen kommen mit langjähriger Arbeitserfahrung nach Europa, weil sie schon sehr früh die Schule verlassen haben um zu arbeiten. Je länger eine Person ihre Fähigkeiten nicht einsetzen darf und sie nicht trainiert, desto mehr verliert sie an Praxis, Routine und auch Selbstvertrauen“, weiß Voltmer.

Zu viel Zeit zum Grübeln

Dabei handle es sich hierbei häufig um Menschen, die traumatisierende Erlebnisse durchgemacht hätten. „Isoliert in Flüchtlingsunterkünften und ausgeschlossen vom Arbeitsmarkt haben die Betroffenen oft viel zu viel Zeit zum Grübeln. Eine Arbeit dagegen regelt den Tagesablauf, stärkt das Unabhängigkeitsgefühl und bietet Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben“, unterstreichen die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente den Wert von Arbeit gerade für die Flüchtlinge.

Vielerlei Studien würden zeigen, dass die Arbeitswelt die beste, vielleicht die einzige wirkliche Integration biete. „Bei den Diskussionen um neue Flüchtlingsunterkünfte darf außerdem nicht vergessen werden, dass ein Flüchtling, der schnell eine Arbeit findet, die Strukturen jederzeit (auch während des laufenden Verfahrens) verlassen kann. Damit braucht es einen Unterkunftsplatz weniger“, schließen Kripp und Valente ihre Überlegungen zum bevorstehenden Tag der Arbeit. 

stol

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