„Die EZB wird alles unternehmen, um Daten zu schützen“, betont der Bozner Professor. Eine offizielle Entscheidung zum Starttermin für den digitalen Euro gibt es noch nicht. <BR /><BR /><BR /><BR /><i>Von Rainer Hilpold</i><BR /><BR /><BR />„Ein digitaler Euro kann nur erfolgreich sein, wenn er die Bedürfnisse der Bürger erfüllt“, sagte Fabio Panetta, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), jüngst. Welche diese Bedürfnisse sind, erhob man im Rahmen einer öffentlichen Konsultation im Zeitraum Oktober 2020 bis Jänner 2021. Es gingen mehr als 8200 Antworten aus ganz Europa ein – eine Rekordbeteiligung für eine öffentliche Konsultation der EZB. <BR /><BR />Was sich die Öffentlichkeit laut den nun vorliegenden Ergebnissen von einem digitalen Euro am meisten wünscht, ist der Schutz der Privatsphäre (43 Prozent), gefolgt von Sicherheit (18 Prozent), der Möglichkeit, im gesamten Euroraum zu bezahlen (11 Prozent), keine zusätzlichen Kosten (9 Prozent) und Offline-Nutzbarkeit (8 Prozent).<BR /><BR />„An den Antworten sieht man, dass der digitale Euro richtigerweise als Bargeldalternative erachtet wird“, kommentiert Universitätsprofessor Weissensteiner die Ergebnisse. „Das ist auch genau das, was die EZB laut eigenen Plänen vorhat. Man will keinen Bitcoin-Konkurrenten erschaffen, also nicht das Anlegen und Horten soll Ziel eines digitalen Euros sein. Sondern man möchte ein digitales Zahlungsmittel für den täglichen Konsum etablieren – unter der Aufsicht und der Kontrolle der EZB“, so Weissensteiner. „Der Zeitpunkt, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen, ist äußerst günstig, weil digitale Zahlungssysteme durch die Folgen der Coronapandemie klar auf dem Vormarsch sind.“ <BR /><BR /><b>„Digitaler Euro wäre absolut fälschungssicher“</b><BR /><BR />Wie er technisch umgesetzt werden könnte, ist derzeit noch offen, als wahrscheinlich gilt die Lösung einer elektronischen Geldbörse, die man eben anstelle von Bargeld mit digitalen Euros befüllen könnte. „Höchstgrenzen bezüglich Anonymität könnten dieselben sein wie aktuell beim Bargeld. Nur bezahlt man nicht mit Scheinen und Münzen, sondern mit seinem E-Euro-Guthaben“, so Weissensteiner. <BR /><BR />Die Vorteile gegenüber bestehenden, digitalen Systemen, die vor allem von privaten Zahlungsdienstleistern und Banken betrieben werden, sind seiner Ansicht nach die kostenlose Nutzung für alle Bürger sowie der Schutz der Privatsphäre: „Kartenunternehmen wie Mastercard oder Visa sowie die Bezahldienste von Google oder Apple verlangen für die Nutzung Geld, zugleich können sie das Einkaufsverhalten ihrer Nutzer genau analysieren.“<BR /><BR />Worin liegt der Unterschied, ob Private oder die EZB die Zahlungsströme überwachen kann? „Die EZB hat an diesen Informationen schlicht kein Interesse und wird darum alles unternehmen, um den Schutz der Daten so weit wie möglich zu gewährleisten. Denkbar wäre, dass wie bei einer Bargeldtransaktion der Empfänger und der Käufer bekannt sind, alle weiteren Daten jedoch anonymisiert werden. Ansonsten unterliegt der E-Euro-Verkehr den üblichen Geldwäschebestimmungen.“ <BR /><BR />Ein digitaler Euro wäre laut Weissensteiner aus heutiger Sicht absolut fälschungssicher, und im Gegensatz zum physischen Geld auch günstiger, weil keine Kosten bei der Herstellung anfallen, ebenso wären digitale Euros ökologisch verträglicher, weil keine Unmengen an Papier verschwendet werden müssten bzw. der aufwändige Transport wegfällt. <BR /><BR /><b>Einführung innerhalb der nächste 5 Jahre</b><BR /><BR />Kurzum: „Die EZB plant mit dem E-Euro eine neue Plattform aufzubauen. Private Unternehmen können ihrerseits Lösungen entwickeln, die die Handhabung der digitalen Euros in der Praxis erleichtern, sie sollen aber nicht mehr direkt an den Zahlungsströmen beteiligt sein bzw. Daten daraus abgreifen können“, so Weissensteiner. <BR /><BR />Bis wann soll der E-Euro kommen? Offiziell ist keine Entscheidung über den E-Euro gefallen, jedoch äußerte EZB-Chefin Christine Lagarde wiederholt, dass die Einführung binnen der nächsten 5 Jahre erfolgen solle. Auch Weissensteiner ist sich sicher, dass er „in irgendeiner Form“ umgesetzt wird. „Nicht, um das Bargeld abzuschaffen, sondern um auch als öffentliche Institution eine zeitgemäße Alternative zum Bargeld anbieten zu können.“