Donnerstag, 25. Januar 2018

Deutsche Bahn setzt voll auf Digitalisierung

Seit Mitte November sitzt Sabina Jeschke im Vorstand der Deutschen Bahn: Zuständig ist die Maschinenbau-Professorin für nichts Geringeres als die Digitalisierung des Staatskonzerns. Im Schlepptau der 49-Jährigen mit der blonden Lockenmähne zog auch ein kleiner Roboter in die Vorstandsetage ein, der künftig bei Videokonferenzen glänzen soll.

Die Deutsche Bahn will in 10 bis 15 Jahren das gesamte Schienennetz digitalisieren.
Die Deutsche Bahn will in 10 bis 15 Jahren das gesamte Schienennetz digitalisieren. - Foto: © APA/DPA

Die Teilnehmer schauen nicht mehr auf ein Gesicht an der Wand, sondern auf einen Bildschirm, der – auf einer Art Segway montiert – vorwärts, rückwärts oder seitwärts fahren kann, oder an den Flipchart mit den neuesten Ideen für die Bahn. Jeschke kann sich auch für solch kleine Schritte begeistern: Die Kommunikation verbessere sich auf einen Schlag, und zwar signifikant, erzählt sie. Mehr als acht Jahre lang forschte und lehrte die promovierte Physikerin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen an der Fakultät für Maschinenwesen. Jetzt ist sie in deutlich größeren Dimensionen unterwegs.

Pünktlichere und umweltfreundlichere Züge 

In zehn bis fünfzehn Jahren will das Unternehmen sein gesamtes Schienennetz digitalisieren, sagt Lutz – und damit tausende zusätzliche Züge am Tag ermöglichen, wie Vorstandsmitglied Ronald Pofalla am Donnerstag ankündigte. Pünktlicher und umweltfreundlicher sollen die Züge damit auch werden.

Dreh- und Angelpunkt ist die neue funkgesteuerte Zugsteuerung ETCS (European Train Control System). Sie mache die rund 160.000 Signale überflüssig und damit 400.000 Kilometer Kabel, schwärmt Bahn-Chef Lutz. Die eher unrühmlichen Anfänge sollen dabei schnell vergessen sein: Das ETCS war im Dezember verantwortlich für diverse Pannen auf der neu eröffneten Schnelltrasse zwischen Berlin und München.
Auch ihre Stellwerke, die zum Teil noch aus der Kaiserzeit stammen, will die Bahn digitalisieren. „Eine aufwendige Verkabelung, die zu jedem Relais, jedem Signal, jedem Gleiskontakt führt – das alles wird zukünftig nicht mehr erforderlich sein“, skizziert Bahn-Chef Lutz. Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe stellt Pofalla in Aussicht.

Die Zeit, die eine solche riesige Umrüstung braucht, ist das eine. Nötig ist ja auch sehr viel Geld, räumt Lutz ein. Hier soll der Eigentümer helfen, der Bund.

apa/afp

stol