Donnerstag, 19. April 2018

Equal Pay Day: Beispiel Islands folgen

Der Equal Pay Day findet dieses Jahr am morgigen Freitag statt und wurde 2010 erstmals vom Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen nach Südtirol geholt. Dieser Tag weist auf die europaweit bestehende Lohndifferenz zwischen Frau und Mann hin. Laut aktuellen ASTAT Daten verdienen Frauen in Südtirol immer noch 17,2 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In Island hingegen ist der Lohnunterschied Geschichte.

Der heurige Equal Pay Day steht unter dem Motto Altersarmut. - Foto:LPA
Badge Local
Der heurige Equal Pay Day steht unter dem Motto Altersarmut. - Foto:LPA

Seit diesem Jahr sind Unternehmen in Island zur gleichen Entlohnung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet. „Island macht es uns vor, dass wir die geschlechtsbedingte Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen nicht länger hinnehmen müssen, sondern dass es durchaus Wege und Mittel gibt, dieser Ungleichbehandlung zu begegnen“, erklärt die SVP-Landesfrauenreferentin und Kammerabgeordnete Renate Gebhard anlässlich des diesjährigen Equal Pay Day.

Der vorherrschende geschlechtsspezifische Lohnunterschied wirkt sich nicht nur auf die Lohntüte, sondern auch auf die Renteneinzahlungen aus, wobei Frauen schon allein aufgrund Unterbrechungen ihres Erwerbslebens durch Kindererziehungs- und Pflegezeiten den Kürzeren ziehen. 

Island toleriert diese Ungleichbehandlung nicht mehr

„Island macht uns vor, dass die geschlechtsbedingte Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen jedoch nicht länger toleriert werden muss“, verweist die Landesfrauenreferentin auf das Verbot, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterschiedliche Löhne für dieselbe Arbeit zu bezahlen. „Damit nimmt das Land nicht nur aus politischer Sicht eine Vorreiterrolle ein“, erinnert Gebhard daran, dass Island von einer Premierministerin geleitet und mit einem Frauenanteil von 50 Prozent ein außerordentlich weibliches Parlament hat, „sondern setzt auch in der Wirtschaft konkrete Schritte für mehr Gerechtigkeit.“

„Es bleibt zu hoffen, dass sich die europäischen Länder ein Beispiel an Island nehmen“, erklärt sie. „Bis es konkrete Lösungen gibt, werden wir aber weiterhin jedes Jahr am Equal-Pay-Day auf die Lohndiskriminierung aufmerksam machen“, lädt die Landesfrauenreferentin die Südtirolerinnen dazu ein, die Infostände im ganzen Land zu besuchen.

Gleichstellungsrätin Morandini beteiligt sich an der Informationskampagne

Ein niedriger Lohn bedeutet auch niedrigere Rentenbeiträge und folglich ein erhöhtes Risiko für Frauen, von Altersarmut betroffen zu sein. Laut Beobachtungsstelle des staatlichen Vorsorgeinstituts INPS haben Frauen durchschnittlich 689 € und Männer 1.356 € Altersrente monatlich zur Verfügung. 82 Prozent der Frauen müssen mit weniger als 1.000 Euro monatlich auskommen und nur 3 Prozent der Frauen haben mehr als 2.000 Euro zur Verfügung. Der heurige Equal Pay Day steht deshalb unter dem Motto Altersarmut.

Wie kann es aber sein, dass im Jahre 2018 Frauen europaweit bedeutend weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen? Expertinnen zufolge kann zwei Drittel der Lohnlücke damit erklärt werden, dass Frauen häufiger in Teilzeit und in geringer bezahlten Berufen arbeiten. Der Rest kann durch Diskriminierung erklärt werden.

Auf diesen Misstand weiter aufmerksam machen

Fakt ist: Frauen zahlen einen hohen Preis, nicht nur während ihrer aktiven Arbeitzeit, sondern auch im Alter. „Deshalb ist es wichtig, immer wieder auf diesen Missstand aufmerksam zu machen und Frauen anzuregen, sich frühzeitig zu informieren“, so Gleichstellungsrätin Michela Morandini. Am 20. April Vormittag werden insgesamt  60 Organisationen, darunter auch die Gleichstellungsrätin, an 20 Ständen in ganz Südtirol anwesend sein, um die  Bevölkerung zu informieren und Infomaterial zu verteilen.

lpa/stol

stol