Montag, 07. August 2017

Geldabflüsse Italiens auf niedrigstem Stand seit Februar

Die Geldabflüsse aus Italien sind im vergangenen Monat deutlich zurückgegangen. Die Nettoverbindlichkeiten des Landes im Zahlungssystem Target 2 der Notenbanken der Eurozone verringerten sich im Juli im Vergleich zum Vormonat um 16,12 Mrd. auf 397,74 Mrd. Euro, wie die Bank von Italien am Montag mitteilte.

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Das ist der niedrigste Stand seit Februar. Der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Banken wird im Euroraum über Target-2 abgewickelt. Die Target-Salden zeigen die Verbindlichkeiten und Forderungen an, die bei den Notenbanken durch die Transaktionen entstehen. Deutschland ist mit Abstand größter Gläubiger in dem Verrechnungssystem.

Ein hochrangiger EZB-Experte hatte unlängst die Vermutung geäußert, dass möglicherweise inzwischen wieder mehr Investorengelder zurück in riskantere Anleihen der südlichen Euroländer fließen. Durch das billionenschwere Anleihenkaufprogramm der EZB waren zuletzt die Target-2-Ungleichgewichte kräftig gestiegen. Dies liegt laut EZB daran, dass viele Banken außerhalb des Euroraums, die etwa italienische oder spanische Anleihen an die Währungshüter verkaufen, ein Konto bei der Bundesbank besitzen. Im Endeffekt führen die Aufkäufe so zu einer Zunahme des Target-Saldos für Deutschland.

Steigende Ungleichgewichte können aber auch ein Anzeichen für Kapitalflucht sein wie auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise 2012. Damals waren beispielsweise die Target-Verbindlichkeiten Italiens und Spaniens deutlich gestiegen und im Gegenzug kletterten die Forderungen der Bundesbank. Zuletzt waren die Target-2-Forderungen der Bundesbank etwas gesunken, wie Daten der Notenbank zeigen. Im Juli verringerten sie sich zum Vormonat um 4,25 Mrd. auf 856,51 Mrd. Euro. Manche deutschen Volkswirte sehen in hohen Target-Forderungen eine Gefahr für Deutschland. Sollte es zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone kommen, würden diese nicht beglichen, warnen sie.

apa/reuters

stol