Donnerstag, 28. Juli 2016

Geplanter Einkaufstempel in Bozen Süd scheidet die Geister

Im Schatten des Benko-Projekts plant die Aspiag in der Bozner Industriezone einen eigenen Konsumtempel. Seit vergangener Woche steht dem Bau nun nichts mehr im Wege.

	Im Bild der Standort des geplanten Aspiag-Einkaufszentrums.
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Im Bild der Standort des geplanten Aspiag-Einkaufszentrums.

Ein Riese will mehr. Die Aspiag betreibt sämtliche Spar-, Eurospar- und Interspar-Geschäfte im Land. Genug hat sie damit nicht: Seit geraumer Zeit plant der Lebensmittelkonzern ein Einkaufszentrum in der Buozzi-Straße in Bozen Süd zu errichten. „Wir könnten das größte Einkaufszentrums Italiens entrichten“, sagte Diego Andolfato, Aspiag-Manager, damals in einem Gespräch mit den „Dolomiten“.

Mit einer Detailhandelsfläche von rund 30.000 Quadratmetern soll das aktuell geplante Einkaufszentrum deutlich kleiner ausfallen, als lange Zeit geplant. In Verhandlungen mit Michele Penta, Ex-Kommissär der Gemeinde Bozen, wurde die Fläche deutlich reduziert – ursprünglich waren 60.000 Quadratmeter eingeplant worden. Zum Vergleich: Das Projekt des Tiroler Investors René Benko am Busbahnhofareal in Bozen umfasst eine Handelsfläche von 22.000 Quadratemeter.

Quasi im Gegenzug entschied Penta, nach einigen Gerichtsurteile, die zu Gunsten der Aspiag ausgefallen waren, nicht mehr dagegen zu rekurrieren. Er stellte die Baukonzession für das Shoppingcenter aus.

Twenty und Centrum ziehen vor Gericht – und unterliegen

Den unmittelbaren „Anrainern“ – und Konkurrenten – kann der Zug nicht passen: Die Einkaufscenter Twenty und Centrum strengten eine Aussetzung der Baukonzession vor dem Verwaltungsgericht an. Mühen, die nicht von Erfolg gekrönt waren, wie der Freitag zeigte: Vergangene Woche erteilte das Verwaltungsgericht den beiden Unternehmen eine Absage. Im Klartext: Aspiag kann mit seinen Bauarbeiten für das Einkaufszentrum weitermachen.

Hds: Verwundert über das Urteil

Neben den Twenty- und Centrum-Eignern will dieser Gerichtsentscheid auch dem Handels- und Dienstleistungsverband hds nicht gefallen: In einer Pressemitteilung am Donnerstag erklärt der hds, dass man die Entscheidung „mit Verwunderung“ zur Kenntnis nehme. Verwundert deshalb, weil die Rekurse „begründet waren“, findet der hds und erklärt, dass „die Baukonzession ohne die notwendige urbanistische Übereinstimmung des Gebietes erteilt wurde“.

Noch schlimmer ist laut hds die Botschaft, die vom Urteil ausgehe: Mario Monti hatte einst mit einem Dekret Detailhandel auch im Gewerbegebiet erlaubt, das Südtiroler Landesgesetz räume allerdings „ausdrücklich die Möglichkeit ein“, davon abzuweichen. Doch: Dieses Gesetz werde in dem Urteil nicht berücksichtigt.

Der hds fürchtet, dass der Aspiag-Einkaufstempel „verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur in der Stadt und im gesamten Einzugsgebiet“ haben werde. Dem können Twenty und Centrum nur zustimmen. Einem Bericht des Tagblatts „Dolomiten“ zufolge überlegen deren Anwälte, gegen den Gerichtsentscheid einen Rekurs beim Staatsrat einzureichen.

stol

stol