Samstag, 05. August 2017

Hitze hält Kirschessigfliege in Zaum

Seit Ende Juni breitet sich die Kirschessigfliege zunehmend in Südtirol aus. Bisher blieben die Befallszahlen aber hinter den Werten von 2016 zurück.

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Foto: © STOL

Die aktuelle Hitzewelle macht nicht nur dem Menschen zu schaffen, sondern schränkt auch die Aktivitäten der Kirschessigfliege ein: Bislang ist der Populationsdruck der Kirschessigfliege nicht so hoch wie 2016, langfristige Vorhersagen sind jedoch wegen des großen Einflusses der Witterung auf die Vermehrungsraten nicht möglich, erklärt Silvia Schmidt, Expertin für invasive Schädlinge am Versuchszentrum Laimburg.

Die Vermehrungsraten der Kirschessigfliege sind stark von der Witterung abhängig: Die optimale Temperatur für den Populationsaufbau liegt zwischen 20 und 28 Grad Celsius. Eine hohe Luftfeuchtigkeit kann das Wachstum der Fliege begünstigen, Trockenheit hingegen bremst deren Vermehrung.

Aufgrund der hohen Temperaturen ist die Flugaktivität der Kirschessigfliege derzeit stabil. Wenn die aktuelle Hitzewelle jedoch noch weiter anhält, ist zu erwarten, dass die Aktivitäten der Kirschessigfliege deutlich gehemmt werden – so lautet die Prognose der Entomologen am Versuchszentrum Laimburg.

Rebanlagen im Auge behalten

Anhand von Eiablagekontrollen sollte der Schädling in den Anlagen regelmäßig überwacht werden, betont die Expertin. Auch in Rebanlagen mit bereits umgefärbten Trauben sollten solche Kontrollen regelmäßig durchgeführt werden. 

Verschiedene Methoden wie Pflanzenschutzmittel (z. B. Spinosad), Massenfang mit auf dem Markt verfügbaren Köderfallen, Einnetzung oder der Einsatz einheimischer natürlicher Gegenspieler sind im Test, zeigen aber keine Wirkungssicherheit.

Da der Schädling europaweit auftritt, haben sich mittlerweile umfassende Netzwerke zwischen zahlreichen Forschungsinstituten in Europa gebildet, an einer Lösung des Problems wird mit vereinten Kräften gearbeitet. 

Aus Asien eingeschleppt

Die aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) hat seit ihrem erstmaligen massiven Auftreten in Südtirol im Jahr 2011 große Schäden verursacht. Besonders betroffen sind das Stein- und Beerenobst (vor allem Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Zwetschgen, Heidelbeeren) und Trauben der lokalen Rotweinsorte Vernatsch. Es handelt sich weitgehend um Kulturen, welche einen wichtigen Nebenerwerb für die Berglandwirtschaft darstellen und zu Lebensmittelprodukten (Joghurts, Fruchtsäfte, Konfitüren) verarbeitet werden.

Die Früchte werden während der Reifephase befallen. Die Fliege sticht die intakte Fruchthaut an und legt ihre Eier ins Fruchtfleisch. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate kann der Schädling erhebliche Ernteverluste verursachen. Im Jahr 2015, einem Jahr mit mittlerem Befallsdruck und einer nicht übermäßig hohen Populationsdichte der Kirschessigfliege, wurde der durch die Drosophila verursachte Schaden in Südtirol auf 2,6 Millionen Euro geschätzt.

Im Jahr 2016 mussten die Südtiroler Beeren- und Steinobstproduzenten Ernteausfälle von bis zu 70 Prozent hinnehmen. Im Durchschnitt vermeldeten die Obstgenossenschaften Ausfälle von 30 Prozent.

lpa

stol