Dienstag, 08. August 2017

[email protected]: Bitte weniger Fragen stellen

Südtirols Handwerker und Dienstleister haben eine Bitte an Südtirols Statistiker: Man möge die Umfragen bei Betrieben auf ein Minimum beschränken, die Anfragen seien ausgeufert. Das ASTAT versteht das lvh-Ansinnen, kann aber (noch) nicht anders.

Das Astat sammelt Daten, um Informationen zu generieren.
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Das Astat sammelt Daten, um Informationen zu generieren. - Foto: © shutterstock

550 Seiten umfasst das Statistische Jahrbuch für Südtirol. In 22 Kapiteln schlüsselt das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) anhand detaillierter Tabellen und Grafiken die wichtigsten Südtiroler Zahlen auf, von „Raum und Meteorologie“ bis „Wahlen“: Das ASTAT sammelt Daten, um Informationen zu generieren. Doch wie kommen die Statistiker an die Daten heran?

ASTAT-Auftrag: Relevante Phänomene analysieren

Dafür gibt es unterschiedliche Wege, die Umfrage etwa. Wenn man, wie das ASTAT auf seiner Webseite schreibt, „alle gesellschaftlich relevanten Phänomene“ analysieren möchte, dann müssen entsprechend viele Fragebögen verschickt und ausgefüllt retourniert werden. Das ist mit Arbeit verbunden. Zu viel Arbeit, wie der Landesverband der Handwerker und Dienstleister (lvh) findet.

Pardeller: „Betriebe sind überfordert“

„Die Betriebe sind zurzeit mit dem Ausmaß an Umfragen überfordert“, bemängelt am Dienstag lvh-Direktor Thomas Pardeller. Es gäbe einzelne Betriebe, die drei Mal pro Jahr eine Erhebung zugeschickt bekämen, berichtet er auf STOL-Nachfrage.

„Gerade kleine Betriebe stoßen dabei an ihre Grenzen“, konkretisiert Pardeller, „die verfügen nicht über die notwendige Bürostruktur. Das Ausfüllen muss dann der Chef übernehmen.“ Das koste Zeit und Geld, etwa wenn die Unterlagen dem Wirtschaftsberater übergeben werden müssen.

Deswegen seien viele Betriebe über die Umfrage-Wellen des ASTAT verärgert. Ein Verdruss, den Thomas Pardeller nachvollziehen kann. Allerdings ist er sich der Notwendigkeit der Daten bewusst, auch sein Verband greife darauf zurück, hält der lvh-Dirketor fest, schlägt aber Optimierungen vor. Das ASTAT könne etwa auf telematischem Wege auf bereits gespeicherte Informationen, wie Finanzdaten zurückgreifen, ohne die Betriebe mit Zusatzarbeit zu belasten.

Ein Vorschlag, den Pardeller im Gespräch mit ASTAT-Direktor Timon Gärtner vor zwei Wochen besprochen hat. Ein konstruktives Gespräch, wie beide STOL gegenüber bestätigen.

Thomas Pardeller (links) und Timon Gärtner. - Foto: lvh

Gärtner: „Hoffe, dass es zukünftig besser wird“

Auch ASTAT-Direktor Timon Gärntner setzt darauf, zukünftig vermehrt auf Verwaltungsdaten von Behörden, wie dem Finanzamt, zurückzugreifen. Damit könne man doppeltes Abfragen vermeiden und die Betriebe entlasten. Immer sei das aber nicht möglich.

Denn entscheidend für das Abfragen sei die Größe eines Sektors. Ein Unternehmen aus einem kleinen Sektor, ein Orthopädie-Schuhtechniker etwa, werde bei Stichproben zwangsläufig häufiger gezogen als Unternehmen aus größeren Sektoren.

Dennoch, „die aktuellen Fragebögen sind tatsächlich sehr umfangreich“, bestätigt der Statistik-Direktor, und das sei auch in seinen Augen ein Problem.

Hier ein Beispiel eines ASTAT-Fragebogens zur „Erhebung über Klein- und Mittelunternehmen und freiberufliche Tätigkeiten“.

Das ASTAT sei aber eine ausführende Behörde, die Fragen stelle das Istat in Rom, merkt Gärtner an. Und dort habe man bereits des Öfteren interveniert.

Die letzte ISTAT-Auskunft an ihn lautet: Zukünftig sollen weniger Informationen von den Unternehmen abgefragt werden. Gärtner hofft, dass sich das schon sehr bald bewahrheitet, versprechen kann er es aber nicht.

stol/aw

stol