Alle kämpfen mit denselben Problemen: Der Bäcker im Dorf, der Großhändler, das Restaurant. Die hohen Energiepreise nehmen den mittleren und den kleinen Betrieben in Südtirol allmählich die wirtschaftliche Grundlage. In Deutschland sehen sich laut einer Umfrage des Mittelstandsverbandes BVMW die Hälfte aller Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/energie-preis-explosion-lage-spitzt-sich-weiter-zu" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Der Südtiroler Unternehmerverband hat erst kürzlich bemängelt, nicht allen sei bewusst, wie schwerwiegend die Lage sei: „In Europa, in Italien und in Südtirol muss sofort gehandelt werden“, sagte etwa UVS-Präsident Heiner Oberrauch.</a><BR /><BR />Auch beim Handels- und Dienstleistungsverband (hds) häufen sich die Mails und Anrufe besorgter Mitglieder: „Ihre Energierechnungen sind heuer 3-mal so hoch wie im vergangenen Jahr“, sagt Präsident Philipp Moser. „Niemand erwartet, dass sich daran in den nächsten Monaten etwas ändert. Mit diesen Mehrkosten überleben die Betriebe nicht.“ Für Dienstag hat der Verband zu einer Pressekonferenz zum Thema geladen.<BR /><BR /><b>STOL: An wen richtet sich Ihr Hilferuf?</b><BR />Philipp Moser: Wer in die Politik geht, übernimmt Verantwortung. Es gilt, jetzt zu handeln. Die Botschaft der Betriebe ist klar: Entweder ihr tut etwas, sonst überleben wir nicht. Die Betriebe brauchen finanzielle Hilfe. Sonst müssen sie die Produktion reduzieren, den Betrieb einstellen. Wenn es lichterloh brennt, braucht es die Feuerwehr, nicht die Versicherung. Energiesparende Lampen zu installieren und die Heizung zu optimieren reicht bei weitem nicht. <BR /><BR /><b>STOL: Energieintensive Betriebe sind besonders in Bedrängnis. Welche sind das in Südtirol, in Ihrem Verantwortungsbereich?</b><BR />Moser: Am schwersten hat es der Lebensmitteleinzelhandel: Die Kühlung der Produkte ist ständig notwendig. Aber auch Lebensmittelproduzenten wie die Bäcker oder der Großhandel, der Kühlware im Lager hat, sowie die Gastronomie sind betroffen. Ein Modegeschäft hat vielleicht Möglichkeiten, die Beleuchtung, umzustellen. Auch solche Betriebe leiden, aber nicht so sehr wie andere. Für energieintensive Unternehmen ist es besonders dramatisch: Ein Restaurant kann nicht 10.000 Euro an Mehrkosten einfach so wegstecken.<BR /><BR /><b>STOL: Können Sie abschätzen, wie viele Südtiroler Betriebe in ihrer Existenz bedroht sind?</b><BR />Moser: Wenn man die gesamte Wirtschaft und das produzierende Gewerbe betrachtet, ist wohl ein Drittel der Betriebe massiv in der Existenz bedroht. <BR /><BR /><b>STOL: Sie fordern Maßnahmen von der Politik: Welche?</b><BR />Moser: Es braucht finanzielle Hilfe. Wo die Politik genau ansetzen muss – das überlasse ich den Politikern. Das Problem ist bekannt. Aber die Politik hört man dazu zu wenig. Wie die Hilfe konkret umgesetzt werden kann, muss an anderer Stelle entschieden werden. Bei Corona ist es auch gegangen.<BR /><BR /><b>STOL: Was entgegnen Sie, wenn es heißt, die Kassen seien nun leer?</b><BR />Moser: Das Problem ist hausgemacht. Wir produzieren in Südtirol Strom aus Wasserkraft zu den gleichen Kosten wie vor 2 Jahren. Keiner kann nachvollziehen, warum die Preise auch hierzulande so sehr steigen. Es ist eine Frage des politischen Willens. <BR /><BR /><b>STOL: Es ist wohl kein Zufall, dass Ihre Medienkonferenz vor dem Gebäude des Landtages am morgigen Dienstag um 10.30 Uhr und damit fast zeitgleich mit der Sitzung der Landesregierung stattfindet.</b><BR />Moser: Es ist ein Hilferuf.<BR /><BR /><BR />