Freitag, 24. Februar 2017

Neugepflanzte Apfelbäume: Gala überholt Golden Delicious

Wenn der Boden taut und der Frühling langsam erwacht, beginnt auch in den Südtiroler Apfelwiesen wieder emsiges Treiben: Es ist Zeit für Neuanpflanzungen von jungen Apfelbäumen. Für die rund 7.000 Bauern eine ganz besondere Herausforderung – denn es gilt eine ganze Reihe von Überlegungen anzustellen, bevor eine Apfelwiese neu angelegt wird.

Erst schwieriges Entscheiden, dann viel Handarbeit: Im Frühjahr werden die Jungbäume gepflanzt. - Foto: Südtiroler Apfelkonsortium
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Erst schwieriges Entscheiden, dann viel Handarbeit: Im Frühjahr werden die Jungbäume gepflanzt. - Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Es geht um Zehntausende Apfelbäume, die in den Südtiroler Obstanbaugebieten jährlich neu gepflanzt werden müssen. Die Lebensdauer eines Apfelbaums beträgt rund 20 Jahre. Dann verlieren die Pflanzen ihre Ertragskraft.

Neuanpflanzungen sind keine leichte Entscheidung, denn jeder einzelne Bauer muss sich eine ganze Reihe von Fragen stellen, deren Antwort eben 20 Jahre gültig sein sollte.

Die Qual der Wahl

 

Zunächst muss sich der Bauer überlegen, welche Sorte er anpflanzen möchte. Dabei spielt die Lage eine Rolle, aber auch die Charakteristiken der Sorte selbst: Brauchen Baum und Früchte viel oder weniger Pflege, wie wirkt sich das Wetter aus, wie viel Sonne ist für die Sorte ideal?

Auch die Frage, ob die Sorte für Pflanzenkrankheiten oder Schädlingsbefall anfällig ist, spielt eine Rolle. Der Bauer muss weiters berechnen, wie hoch sein Investitionsvolumen sein soll – die Jungbäume der verschiedenen Sorten kosten unterschiedlich viel. Darüber hinaus muss der Bauer abschätzen, welche Äpfel in Zukunft bei den Konsumenten beliebt sein werden und welchen Preis sie dafür bezahlen werden.

Auch der Erntezeitpunkt der gewünschten Sorte ist wichtig: Ist die Ernte mit den verfügbaren Erntehelfern zu bewältigen, oder ist es günstiger eine andere Sorte zu wählen, die zu einem anderen Zeitpunkt geerntet wird? Schließlich muss er prüfen, ob für seine bevorzugte Sorte überhaupt genügend Pflanzmaterial erhältlich ist – und ob er die Neupflanzung biologisch oder nach integriertem Anbau pflegen will.

Behilflich bei der Beantwortung all dieser Fragen sind dabei der Beratungsring für Obst- und Weinbau, die Anbaugenossenschaften und die Vermarktungsverbände VOG und Vi.P. Auf rund 18.000 Hektar werden in Südtirol Äpfel angebaut; zwischen 3,5 und 5 Prozent der Anlagen müssen jährlich erneuert werden. Im Jahr 2016 waren dies 683 Hektar Apfel-Neuanlagen. Auf jedem Hektar werden in etwa 3.000 Bäume gepflanzt.

Gala ist Spitzenreiter, Pink Lady Nummer 2

War bis vor wenigen Jahren noch die Sorte Golden Delicious die unumstrittene Nummer Eins unter den neugepflanzten Sorten, so wurde sie in den vergangenen fünf Jahren von der Sorte Gala abgelöst.

Ganze 39 Prozent der Neuanpflanzungen im Jahr 2016 waren Gala-Bäumchen, erklärt Harald Weis, Obmann der Arbeitsgruppe für den integrierten Obstanbau AGRIOS und Beauftragter des Beratungsringes.

Gleich auf Platz 2 folgte im Vorjahr mit 14 Prozent die Sorte Rosy Glow/Pink Lady. Auf Platz 3 lag 2016 der Red Delicious, während der Golden Delicious mit 9 Prozent nur noch auf Rang 4 landete.

Bio oder integriert?

Für viele Bauern ist die Zeit der Neuanpflanzung auch die Gelegenheit, sich über eine mögliche Umstellung auf biologischen Anbau Gedanken zu machen.

„Ganz einfach ist das zwar nicht, trotzdem entscheiden sich immer mehr Bauern für die Umstellung“, weiß Gerhard Eberhöfer, Verkaufsleiter für Bio-Äpfel des Vinschger Vermarktungsverbandes Vi.P. Die Umstellung auf Bio erfolgt zwar zu einem einzigen Zeitpunkt, doch der Bauer muss geduldig sein: Die Äpfel werden zwar biologisch angebaut, dürfen aber in den ersten drei Jahren nicht als solche vermarktet werden. 

stol

stol