Donnerstag, 25. April 2019

Polen verweigert Annahme von Öl aus Russland

Polen verweigert wegen „schlechter Qualität“ die Annahme von russischem Öl aus einer wichtigen Pipeline; die weißrussische Nachrichtenagentur Beta berichtete am Donnerstag, Polen nehme Öl aus der über weißrussisches Gebiet laufenden Röhre „Druschba“ seit Mittwochabend nicht mehr ab.

Polen weigert sich, russisches Erdöl wegen schlechter Qualität aufzunehmen.
Polen weigert sich, russisches Erdöl wegen schlechter Qualität aufzunehmen. - Foto: © LaPresse

Grund sei ein zu hoher Anteil von organischem Chlorid in dem Rohstoff. Fließt das Öl von Polen aus nicht mehr, gelangt es auch nicht weiter Richtung Westen. Händler großer Ölkonzerne, die Raffinerien in Deutschland haben, bestätigten dies: Die Versorgung über die noch von der Sowjetunion gebauten „Druschba“ („Freundschaft“) sei gestoppt.

Schadensersatz möglich

Eine Annahme-Verweigerung ist in der Branche äußerst selten. Händler sagten, der letzte Fall mit einer Verunreinigung von russischem Öl liege rund zehn Jahre zurück. Sie schließen gleichwohl nicht aus, dass Käufer aus dem Westen nun von russischer Seite Schadenersatz verlangen könnten.

Durch die Röhre können pro Tag bis zu knapp 160 Millionen Liter Öl fließen. Das entspricht ein Prozent der weltweiten Nachfrage.

Erlaubter Chlorid-Gehalt weit überschritten

Händlern großer Ölkonzerne zufolge wurden in dem jetzt bemängelten Öl Konzentrationen von 150 bis 300 ppm (1 ppm = 0,0001 Prozent) organischem Chlorid gemessen. Üblich sind nur ein bis drei ppm, maximal dürfen es zehn ppm sein. Organisches Chlorid wird bei der Ölförderung eingesetzt.

Es muss aber vor dem Transport wieder herausgefiltert werden, weil es bestimmte Teile in den Öl-Raffinerien zerstören kann.

Das russische Energieministerium erklärte, der Pipeline-Betreiber Transneft versuche, das Problem schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Es wird vermutet, dass ein bisher nicht bekannter russischer Ölproduzent dafür verantwortlich ist.

apa

stol