Freitag, 12. Juni 2020

Raiffeisenverband Südtirol blickt auf ereignisreiches 2019 zurück

Die Coronakrise hat vieles verändert. Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2019 haben sich die Raiffeisen-Genossenschaften aber erneut stabil und leistungsfähig gezeigt. Das wurde bei der Jahresvollversammlung des Raiffeisenverbandes am Freitag im Raiffeisenhaus Bozen betont. Diese wurde aufgrund der gegebenen Umstände per Videokonferenz abgehalten.

Der Raiffeisenverband hat am Freitag Bilanz gezogen.
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Der Raiffeisenverband hat am Freitag Bilanz gezogen. - Foto: © Raiffeisenverband
„Die Raiffeisen-Genossenschaften haben sich im Geschäftsjahr 2019 insgesamt gut entwickelt“, sagte Verbandsobmann Herbert Von Leon.

So weisen die Raiffeisenkassen zusammen mit der Raiffeisen Landesbank einen Rechnungsüberschuss von 145 Millionen Euro auf, der deutlich über den Ergebnissen der vergangenen Jahre lag.

Unterschiedliche Entwicklungen verzeichneten hingegen die landwirtschaftlichen Genossenschaften. Während die Weinwirtschaft auf ein durchwegs positives Geschäftsjahr 2018/19 zurückblickt und die Molkereigenossenschaften von einem zufriedenstellenden Milchjahr 2019 sprechen, verbucht die Obstwirtschaft aufgrund von Überangebot und niedrigen Preisen eine relativ schwierige Vermarktungssaison 2018/19.

Dem genossenschaftlichen Auftrag nachgekommen sind 2019 auch die übrigen Genossenschaftssparten des Raiffeisenverbandes: die Energie-, Wasser- und Viehwirtschaftsgenossenschaften, die Einkaufs- und Konsumgenossenschaften, die Sozial-, Wohnbau-, Parkplatz-, Kindergarten- und Kulturheimgenossenschaften sowie die Sonstigen Genossenschaften.

366 Mitglieder im Raiffeisenverband mit 3,3 Mrd. Euro Eigenkapital

Insgesamt zählte der Raiffeisenverband Ende 2019 366 Mitglieder, davon 334 Genossenschaften (mit 160.661 Einzelmitgliedern) und 32 Körperschaften ohne Revisionspflicht. Damit sind rund 35 Prozent aller Südtiroler Genossenschaften dem Raiffeisenverband angeschlossen.

Die 366 Raiffeisen-Genossenschaften weisen zusammen ein Eigenkapital von 3,3 Mrd. Euro, eine aggregierte Bilanzsumme von knapp 21,9 Mrd. Euro und eine erweiterte Wertschöpfung von 1,3 Mrd. Euro auf.

„Die Raiffeisen-Genossenschaften tragen zu einer ausgewogenen Verteilung von Wohlstand und zum Erhalt des ländlichen Raumes bei“, sagte Generaldirektor Paul Gasser. Er betonte, dass mit der aktuellen Krise auch eine Rückbesinnung auf den Wert der lokalen Wirtschaftskreisläufe einhergeht und dass das genossenschaftliche Geschäftsmodell eine bewährte Form des lokalen Handelns ist. „Ein Geschäftsmodell, das gerade in einer Zeit, in der das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität steigt, mehr als zeitgemäß ist“, so Gasser.


Ereignisreiches Geschäftsjahr

„Für den Raiffeisenverband war das Geschäftsjahr 2019 ein ereignisreiches und wegweisendes Jahr. Wir konnten den begonnenen strategischen Erneuerungs- und Veränderungsprozess erfolgreich fortsetzen“, sagte Verbandsobmann Herbert Von Leon, der in seinem Bericht die wichtigsten Ereignisse skizzierte.

So wurde an der Verwirklichung des institutsbezogenen Sicherungssystems (IPS) für die Raiffeisenkassen gearbeitet. Mit der Gründung der neuen Raiffeisen Südtirol IPS Genossenschaft als Trägerorganisation und der Einreichung des offiziellen Antrages bei der Bankenaufsicht um Anerkennung als IPS, konnten 2 wichtige Schritte gesetzt werden, um die genossenschaftlichen Prinzipien sicherzustellen und die unternehmerische Autonomie der Raiffeisenkassen zu bewahren. Die Ermächtigung der Banca d’Italia wird für kommenden Herbst erwartet.

2019 konnte der Raiffeisenverband ein neues Organisationsmodell umsetzen. „Das neue Organigramm des Verbandes zielt auf eine verstärkte Mitglieder- und Kundenorientierung ab“, sagt Generaldirektor Paul Gasser. Unter anderem wurde der neue Bereich „Mitgliederbetreuung“ als erste Anlaufstelle für die Anliegen der Mitglieder eingerichtet.

Neu ist auch der Bereich „Schutz und Förderung des Genossenschaftswesens“. Damit soll die Interessenvertretung für die Mitgliedsgenossenschaften professionell unterstütz und die Verbreitung des Genossenschaftsgedankens gefördert werden. Ein sichtbares Beispiel ist die Gründung der ersten Schülergenossenschaft Südtirols im vergangenen November.

Verfahren gegen Raiffeisen beendet

Im vergangenen Jahr wurde an der neuen IT-Strategie des Raiffeisenverbandes weitergearbeitet. So wurde die Auslagerung des Rechenzentrums in eine eigene Konsortialgesellschaft in die Wege geleitet. Die neue Raiffeisen Information Konsortialgesellschaft m.b.H. wird die bisherige Hauptabteilung Raiffeisen Informationssystem (RIS) künftig in Form einer Betriebspacht führen. Die Auslagerung bedeutet für die Raiffeisenkassen künftig mehr Einfluss auf die Entwicklung ihrer Informationstechnik.

Definitiv abgeschlossen wurde 2019 das seit einigen Jahren anhängende Verfahren der Wettbewerbsbehörde gegen Raiffeisen, mit dem Vorwurf der verbotenen Kartellbildung. Der Staatsrat hat in letzter Instanz bestätigt, dass die Raiffeisenkassen wettbewerbsrechtlich nicht in Konkurrenz zueinanderstehen und kein Kartell bilden.

Ein Urteil von großer Tragweite, weil es auch die genossenschaftliche Ausrichtung und den Lokalbezug der Raiffeisenkassen in ihrer Gesamtheit anerkennt.

stol

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