Donnerstag, 05. März 2015

Rom rüttelt an den Raiffeisenkassen

Eine schlechte Nachricht aus der Bankenwelt jagt derzeit die andere: War es bislang die Südtiroler Sparkasse, die Schlagzeilen machte, sind es nun die Raiffeisenkassen.

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Foto: © STOL

Diesen droht nun die Gefahr, dass sie ihre autonomen Entscheidungsbefugnisse verlieren könnten, wie Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Südtiroler Raiffeisenverbandes, im „Dolomiten“-Interview betont.

„Dolomiten“: Was ist der Grund, dass man am bisherigen System der Raiffeisenkassen etwas ändern will?

Heiner Nicolussi-Leck: Die Regierung und die Banca d'Italia sehen drei Problemfälle: Erstens können alle 379 Raikas in Italien (in Südtirol sind es 47, Anm. d. Red.) bislang autonome Entscheidungen treffen.  Gerät aber eine dieser Banken in Schwierigkeiten oder geht sogar bankrott, müssen alle mitzahlen. Das will man künftig verhindern und anders reglementieren. Zweitens befürchtet die Banca d'Italia, dass die Raikas mit dem derzeitigen System die Eigenkapital-Anforderungen der Europäischen Zentralbank nicht dauerhaft erfüllen können. Die Lösung wäre ihrer Ansicht nach, das Kapital aller Banken zusammenzuführen. Und der dritte Punkt: Sollte das Kapital immer noch nicht ausreichen, muss  man sich vom Kapitalmarkt Fremdkapital besorgen. Da dies die Raikas aber als Genossenschaften nicht können, sollten sie sich laut Banca d'Italia und Regierung an eine Aktiengesellschaft heften. Das würde aber bedeuten, dass mittel- bis langfristig internationale Investoren das Sagen über die Genossenschaften hätten. Und das gilt es auf jeden Fall zu verhindern.

„D“: Und welchen Vorschlag favorisiert die Regierung?

Nicolussi-Leck: Den dritten. Sie will einen sogenannten „patto di dominio“ mit einer Aktiengesellschaft. Wenn dem so wäre, dann wäre die Gefahr, dass diese Aktiengesellschaft sogar die einzelnen Verwaltungsräte und Direktoren der Raikas abschaffen könnte. 

„D“: Im schlimmsten Fall könnte es also passieren, dass die einzelnen Raiffeisenkassen, die bislang alle autonom entscheiden konnten, zu einfachen Filialen degradiert werden?

Nicolussi-Leck: Im juridischen Sinn werden sie zwar keine Filialen, de facto aber schon.

Interview: Arnold Sorg

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Das komplette Interview mit dem Obmann des Raiffeisen-Verbandes lesen Sie in der Donnerstag-Ausgabe des Tagblatts „Dolomiten“.

stol