Dienstag, 09. Oktober 2018

Scharfe Klauber-Kontrollen in Südtirol

Obst- und Weinbauern sollten genau darauf achten, dass ihre Erntehelfer ordnungsgemäß angemeldet sind: Denn Finanzwache, Carabinieri und Arbeitsinspektorat führen verstärkte Kontrollen durch.

Obst- und Weinbauern sollten genau darauf achten, dass ihre Erntehelfer ordnungsgemäß angemeldet sind.
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Obst- und Weinbauern sollten genau darauf achten, dass ihre Erntehelfer ordnungsgemäß angemeldet sind. - Foto: © D

Die Strafen sind gesalzen: Pro Arbeiter, der nicht angemeldet ist, zahlt ein Bauer in der Regel 3000 Euro (siehe nebenstehenden Bericht). Bei etwa 20 Betrieben wurden laut Bauernbund Unregelmäßigkeiten festgestellt – teils auch wegen kleiner Vergehen.

12 Erntehelfer – alles Einwanderer – sind bei einem Verkehrsunfall im August in der Provinz Foggia ums Leben gekommen. „Danach ist die Diskussion über die Ausbeutung von Erntehelfern wieder aufs Tapet gekommen, und die Kontrollen wurden verschärft“, sagt Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner.

In Südtirol werden während der Erntezeit fast 20.000 Erntehelfer beschäftigt. „Wir machen Schwerpunktkontrollen und gezielte Kontrollen und haben deshalb eine relativ hohe Trefferrate“, sagt der Direktor des Arbeitsinspektorates, Sieghart Flader. „In rund 50 bis 60 Prozent der kontrollierten Betriebe stoßen wir auf relativ grobe Fehler bei der Meldung oder bei der korrekten Buchführung über die Arbeitsleistung.“

Problem: Erntefenster werden kürzer

Kontrolliert wurde beispielsweise in Kaltern. Heuer haben sich die Kontrollen im Unterschied zu anderen Jahren über einen längeren Zeitraum erstreckt – den gesamten September – und sie haben schon früh begonnen, berichtet Bauernbundortsobmann Stefan Vorhauser. Das Problem für die Bauern sei, „dass die Erntefenster immer kürzer werden“.

Die Bauern stünden unter Termindruck. Aufgrund des Hagelschlags habe es „viel zu zupfen gegeben“, und die Ernte sei langsam vorangegangen, berichtet Vorhauser. Dadurch seien die Bauern gezwungen gewesen, rasch Arbeitskräfte zu finden. Die Trauben könnten nur an bestimmten Tagen angeliefert werden – und nicht später.

Früher waren unkomplizierte Voucher eine große Hilfe, sagt SBB-Direktor Rinner. Der Voucher, wie er wieder eingeführt wurde, sei hingegen viel zu kompliziert und „für so kurze Zeiten, wie zum Beispiel eine Hilfe für einen Nachmittag, nicht geeignet“.

Eine kurzfristige Hilfe von Freunden und Nachbarn, wie es in Südtirol Tradition ist, gibt es für den Gesetzgeber leider nicht, teilt der SBB mit. Wer bei der Ernte mithelfe, werde als Arbeiter gesehen. Eine Ausnahme gebe es nur bei Familienmitgliedern, welche bis zum 4. Grad (Cousin) verwandt oder verschwägert seien. Diese dürfen unentgeltlich und gelegentlich mitarbeiten. Lebenspartner gelten nicht als verwandt oder verschwägert; in der Praxis sei es bei diesen aber immer gelungen, einvernehmliche Lösungen der Einzelfälle zu finden, so der SBB.

D/hof

stol