Freitag, 01. Februar 2019

Top-10-Personen im Obstbau - darunter Laimburg-Forscher

Am 18. Januar wurden in Venedig die 10 wichtigsten Personen für den italienischen Obst- und Gemüsebau im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Unter den von der Obstbau-Fachzeitschrift „Corriere Frutticolo“ gekürten Preisträgern ist Pomologe Walter Guerra vom Versuchszentrum Laimburg, dem für seine Tätigkeiten in der Sortenzüchtung der Nachhaltigkeitspreis „Green Innovation BPER Banca – Per la sostenibilità“ verliehen wurde.

Pomologe Walter Guerra hat 20 Jahre Erfahrung mit Äpfeln. - Foto: Versuchszentrum Laimburg
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Pomologe Walter Guerra hat 20 Jahre Erfahrung mit Äpfeln. - Foto: Versuchszentrum Laimburg

Mit 20 Jahren Erfahrung in der Sortenselektion, der Apfelzüchtung und intensiver Vernetzung auf internationaler Ebene hat sich Walter Guerra, Pomologe und Leiter des Instituts für Obst- und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg, im italienischen Obstsektor etabliert. „Durch die Sorteninnovation können die traditionellen Apfelanbaugebiete wie Südtirol erfolgreich bleiben und unterscheiden sich von aufkommenden neuen Anbaugebieten“, erklärt Guerra. „Ich bin stolz und fühle mich geehrt über diese Auszeichnung. Die Forschung in der Pomologie kann dadurch weitere Synergien mit der Welt des Anbaus und der Vermarktung finden.“

Die Arbeitsgruppe Pomologie am Versuchszentrum Laimburg

Seit über 30 Jahren prüft die Arbeitsgruppe Pomologie des Versuchszentrums Laimburg – seit circa 15 Jahren unter der Leitung von Walter Guerra –  neue Apfelsorten, die aus hunderten Sortenzüchtungsprogrammen auf der ganzen Welt stammen.

Diese neuen Hybride und Sorten werden in den Versuchsanlagen des Zentrums auf ihre agronomischen Eigenschaften, ihre Lagerfähigkeit sowie ihre Anfälligkeit gegenüber Krankheiten getestet.

Sorten mit neuer Optik oder besserer Krankheitsresistenz

Aktuell beschäftigen sich die Forscher um Walter Guerra mit verschiedenen Typen neuer Sorten. So zum Beispiel Sorten mit rotem Fruchtfleisch, oder die resistent gegenüber bestimmten Apfelkrankheiten, wie dem Schorf, sind. Krankheitsresistente Apfelsorten ermöglichen einen nachhaltigeren Anbau, da Pflanzenschutzmittel gezielter und in weit geringerem Ausmaß eingesetzt werden können.

Ein Versuchsapfel mit rotem Fruchtfleisch. - Foto: Versuchszentrum Laimburg

Das Laimburger Apfelsortenzüchtungsprogramm

Am Versuchszentrum Laimburg wurde 1997 ein eigenes Sortenzüchtungsprogramm ins Leben gerufen. Hierbei kommen klassische Züchtungsmethoden wie die kontrollierte Bestäubung, in Kombination mit innovativen Methoden der molekularen Diagnostik zum Einsatz.

Jede neue Pflanze ist ein Hybrid und unterscheidet sich in seinen Charakteristiken von den beiden „ursprünglichen“ Bäumen und von seinen „Geschwistern.“ Jede Pflanze stellt damit eine neue Sorte dar.

15.000 verschiedene Hybride

Derzeit stehen über 15.000 verschiedene Hybride im Feld des Versuchszentrums Laimburg. Jede Versuchssorte wird mit bereits auf dem Markt erfolgreich bestehenden Sorten verglichen. Dabei werden das Aussehen der Frucht, der Geschmack (Zucker und Säure), die Saftigkeit, die Knackigkeit und die Lagerfähigkeit bewertet.

Darüber hinaus werden die Sorten auch auf Resistenzen gegenüber Krankheiten wie Schorf oder Mehltau getestet.

Walter Guerra: 20 Jahre Erfahrung mit dem Apfel

Walter Guerra hat sich in seiner Karriere schon immer mit dem Apfel beschäftigt. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Padua und einem Auslandsaufenthalt an der University of California in Davis in den USA absolvierte Guerra sein Forschungsdoktorat in Bologna.

Seit 2001 ist Guerra am Versuchszentrum Laimburg tätig, wo er sich der Sortenzüchtung widmet und seit 2017 das Institut für Obst- und Weinbau leitet. Er war und ist an zahlreichen internationalen Forschungsprojekten zu molekularen Markern und Sortenprüfungen beteiligt und hat über die Jahre ein internationales Netzwerk im Bereich Pomologie aufgebaut.

Seit 2003 ist er Mitglied der technischen Kommission des Sortenerneuerungskonsortiums Südtirol.

stol

stol