Dienstag, 20. März 2018

Tourismus trotzt Terrorismus: Ägypten will neu durchstarten

Ägyptens Wirtschaft hängt stark vom Tourismus ab. Nach dem Aufstand gegen den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak 2011, den anschließenden politischen Unruhen und wegen islamistischer Terroranschläge sank die Zahl der ausländischen Gäste aber dramatisch. Die neue Tourismusministerin Ranis al-Mashat will nun aber mit „diversifizierten Angeboten“ neu durchstarten.

Die jihadistischen Anschläge und die Gegenmaßnahmen der Streitkräfte seien weit weg von den Tourismuszentren.
Die jihadistischen Anschläge und die Gegenmaßnahmen der Streitkräfte seien weit weg von den Tourismuszentren. - Foto: © shutterstock

Vor der Revolution zählte das nordafrikanische Land im Jahr 2010 fast 15 Millionen Besucher. Sie spülten ausländische Devisen ins Land und generierten viele Arbeitsplätze. Mit dem Umsturz kam der große Einbruch, erst in den vergangenen 2 Jahren gab es eine Erholung. 2016 waren es nach unterschiedlichen Angaben zwischen 4,5 und 6,8 Millionen Touristen. 2017 kamen laut dem Außenbeauftragten des ägyptischen Parlaments, Tarek Radwan, bereits wieder 8,4 Millionen Gäste ins Land. Das erste Quartal 2018 deutet auf einem weiteren Anstieg hin. Bis Ende April werden 4 Millionen Touristen im Land der Pyramiden erwartet. „2019 werden es insgesamt 19 Millionen sein“, versprüht Radwan Optimismus. Laut Regierungskreisen gab es im Vorjahr bereits wieder Einnahmen von über 6 Millionen Dollar (4,88 Mio. Euro).

Ranis Al-Mashat, die ihr Amt im vergangenen Jänner angetreten hat, hegt ehrgeizige Pläne. „Wir wollen die traditionelle Märkte diversifizieren, den Tourismus nachhaltiger gestalten“, erklärte sie jüngst im Gespräch mit österreichischen Journalisten in Kairo. Immerhin biete Ägypten für fast alle Segmente etwas: „Man kann ein normaler Tourist sein, ein Pauschaltourist, ein Kulturtourist, ein Rucksacktourist, es gibt für alle etwas.“

Nun gelte es, auch neue Nischen zu finden, erzählt die ehemalige Mitarbeiterin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und frühere stellvertretende Leiterin der Ägyptischen Zentralbank. Das könnten Bereiche wie Wellness-Projekte („Wie haben ungenützte Thermalquellen“), Gesundheitstourismus oder sogar in Ägypten bisher eher unbekannte Segmente wie etwa Birdwatching sein. Man könne ja auch unkonventionelle Ideen andenken, meint die 42-Jährige, warum etwa sollten österreichische Pensionisten ihre Kuraufenthalte auf Krankenkassenkosten nicht theoretisch auch in Ägypten absolvieren könnten?

Die energische Politikerin mit US-Studienabschluss will auch neue Märkte erschließen: „Aus China hatten wir vor 3 Jahren 100.000 Besucher, im Vorjahr waren es 300.000.“ Luft nach oben sei da aber noch genug. Ein Ziel müsse es freilich sein, die mangelnde Ausbildung der im Tourismus arbeitenden Menschen zu verbessern. „Das gilt für alle Bereiche: Gastfreundschaft, Service, Organisation, Haushaltsführung, Kochen. Vielleicht können wir ja auch ein Katalysator sein, um das ägyptische Bildungssystem allgemein zu verbessern.“

Mehr Hotelzimmer für Ägypten

Ägypten verfüge derzeit über rund 200.000 Hotelzimmer. Es brauche aber viel mehr, meint die Ministerin. Dafür gibt es ehrgeizige Projekte wie das Mega-Bauprojekt von El Alamein an der Mittelmeerküste in der Nähe von Alexandria. Der kleine Küstenort, bisher eher als Schauplatz von schweren Kämpfen im Zweiten Weltkrieg samt historischen Soldatenfriedhöfen bekannt, soll zu einer Millionen-Metropole ausgebaut werden, um den ägyptischen Tourismus-, Landwirtschafts-, Wohnungs- und Industriesektor anzukurbeln. Laut der Tourismusministerin sollen dort rund 25.000 neue Hotelzimmer entstehen.

Die jihadistischen Anschläge und die Gegenmaßnahmen der Streitkräfte würden in ganz konkreten Gebieten im Norden stattfinden, meint Al-Mashat: „Weit weg von den Tourismuszentren.“

apa

stol