Montag, 15. Mai 2017

Wein und Klimawandel: Neue Flächen für den Weinbau

Unter der Führung des Versuchszentrums Laimburg ist ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt zu neuen Weinbauflächen in Südtirol und Kärnten gestartet.

Eine Versuchsanlage des Projekts REBECKA in Schlanders. - Foto: Versuchszentrum Laimburg
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Eine Versuchsanlage des Projekts REBECKA in Schlanders. - Foto: Versuchszentrum Laimburg

Welche Flächen in Südtirol und Kärnten sich unter Berücksichtigung des Klimawandels für den Weinbau eignen: Das soll das Projekt REBECKA (Rebsorten- und Weinbauflächen-Bewertungsmodell unter Berücksichtigung der Auswirkungen und Chancen des Klimawandels in den Alpen) aufzeigen.

In den Alpen ist die Durchschnittstemperatur zwischen 1920 und 2010 um 1,9 Grad Celsius angestiegen, und in Südtirol hat die Anzahl der Sommer- und Tropentage stark zugenommen. Den Weinbauern sind die Auswirkungen der Klimaänderung bekannt: Die Erntetermine haben sich in den vergangenen 20 Jahren um zwei bis drei Wochen vorverlagert. Außerdem verschieben sich die für den Anbau der Rebe günstigen Lagen immer weiter in die Höhe.

Gerade in alpinen Regionen wie Südtirol steigt damit die Unsicherheit, welche Gebiete nun für den Anbau welcher Rebsorten geeignet sind. Daher werden ein objektives Bewertungsmodell für die Ermittlung geeigneter Weinbauflächen sowie entsprechende Sortenempfehlungen dringend benötigt. Diese Ziele verfolgt das grenzüberschreitende Projekt REBECKA, das unter der Leitung des Versuchszentrums Laimburg gestartet ist.

30 Weinbauflächen unter der Lupe

Das erste Ergebnis des Projekts soll eine detaillierte Analyse der bisherigen Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau sein. Dafür wird die Forschungsgesellschaft Joanneum Research, die für die Steiermark und Kärnten tätig ist, historische Erntedaten der letzten 20 Jahre von fünf bedeutenden Südtiroler Kellereigenossenschaften analysieren.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Veränderungen hinsichtlich Erntetermin, Erntemenge und Zuckergehalt verschiedener Rebsorten, verbunden mit dem jeweiligen Standort. Diese Daten werden in leicht verständlicher Form aufbereitet und dienen mit als Basis für die Entwicklung statistischer Modelle, die es ermöglichen sollen zukünftige Entwicklungen vorherzusagen.

Für Südtirol besteht bereits ein Weinbau-Bewertungsmodell, das allerdings mithilfe agronomischer Daten validiert und an die voraussichtlichen Entwicklungen der nächsten Jahre angepasst werden muss. Dafür wird das Versuchszentrum Laimburg in Südtirol 30 verschiedene Weinbauflächen der Sorte Blauburgunder in warmen, mittleren, hohen und sehr hohen Lagen genauestens beobachten: Wetterdaten, phänologische Daten wie Austrieb, Blüte und Reifebeginn, verschiedene Ertragsparameter wie Trauben- und Beerengewicht sowie Qualitätsparameter werden über zwei Vegetationsperioden hinweg erhoben.

Die Europäische Akademie Bozen wird diese Weinbau-Daten und das Prognosemodell aus den historischen Erntedaten der Kellereigenossenschaften zusammenführen und daraus ein objektives Bewertungsmodell erstellen, mit dem die Eignung beliebiger Standorte für den Weinbau bestimmt werden kann. Dieses Modell bildet somit eine langfristige fundierte Basis für die Ermittlung geeigneter Weinbauflächen sowie für Sortenempfehlungen. Es wird in Form von interaktiven Karten öffentlich zugänglich sein und Behörden, Weinbauberatern und Weinbauern als Orientierungs- und Entscheidungshilfe dienen.

lpa/stol

stol