Mittwoch, 18. Januar 2017

Weissensteiner: „Es wird eine Flurbereinigung geben“

Kurz vor Jahresende musste Italien eingreifen und die älteste Bank der Welt, die Monte dei Paschi di Siena (MPS), mit Staatsmitteln vor der Pleite retten. Nun wagt sich Unicredit an eine Rekord-Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro, um weiter überleben zu können. „Die Banken haben viel zu wenig Eigenkapital“, sagt der Bozner Wirtschaftsprofessor Alex Weissensteiner im „Dolomiten“-Interview. Es werde zu Bankenfusionen und Filial-Schließungen kommen.

Die Banken haben viel zu wenig Eigenkapital“, sagt der Bozner Wirtschaftsprofessor Alex Weissensteiner im „Dolomiten“-Interview.
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Die Banken haben viel zu wenig Eigenkapital“, sagt der Bozner Wirtschaftsprofessor Alex Weissensteiner im „Dolomiten“-Interview.

„Dolomiten“:  Herr Weissensteiner, wie krank sind die italienischen Banken?
 Alex Weissensteiner:  Die italienischen Banken haben jene Strategie verfolgt, von der sie dachten, sie wäre gut, nämlich Kredite zu vergeben. Nun haben sich die notleidenden Kredite auf 360 Milliarden Euro angehäuft. Aber die Banken spiegeln nur die aktuelle Situation der Wirtschaft und des ganzen Landes wider. Italien hat über viel zu viele Monate kein Wachstum gehabt.

„D“: Die EU hat die staatliche Rettung der MPS erlaubt und bricht damit ihre eigenen Regeln, die sie erst vor wenigen Monaten erlassen hat. Ist das nicht ein fatales Zeichen für die Glaubwürdigkeit der EU?
Weissensteiner: Das ist natürlich nicht das beste Zeichen für die EU. Diese sogenannte Bail-in-Regel sollte sicherstellen, dass nicht immer der Steuerzahler einspringen muss, wenn eine Bank ein Problem hat. Es sollten die Gläubiger zahlen - allen voran die Aktionäre, aber auch die Fremdkapital-Geber und am Ende der Sparer. In Zypern hat man das durchgezogen.

„D“: In Italien nicht. Warum?
Weissensteiner: Die EU hat diese Bail-in-Regel auf den Weg gebracht hat, als viele Länder wie etwa Deutschland ihre Banken schon saniert hatten. Man hatte damals auch nicht geglaubt, dass diese Krise so lange andauern würde. Würde im Falle der MPS die Bail-in-Regel zur Anwendung gebracht, würde man sehr viele Kleinsparer um ihr Erspartes bringen. Dies wollte man vermeiden, oder konnte dem politischen Druck  nicht standhalten.

D/sor

Das vollständige lnterview gibt es in der aktuellen Ausgabe des Tagblatts "Dolomiten".

stol