Sonntag, 10. Januar 2016

Zeit der Abrechnung

Bei braunen Wiesen und 10 Grad, wer hat da schon Lust auf Glühwein und Strohsterne? Schaut man in die Kassen der Standlbetreiber erkennt man: doch allerhand Menschen. Fünf große Christkindlmärkte ziehen Bilanz.

Etwa 600.000 Besucher sind heuer auf den Bozner Christkindlmarkt geströmt.
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Etwa 600.000 Besucher sind heuer auf den Bozner Christkindlmarkt geströmt. - Foto: © D

Die Dauer: Die Christkindlmärkte von Bozen, Brixen, Bruneck, Meran und Sterzing liefen exakt gleich lang: von 26./27. November bis 6. Jänner. Während Brixen den Markt schon seit 2 Jahrzehnten bis zum Dreikönigstag laufen lässt, war’s für die Landeshauptstadt heuer das erste Mal.

Die Besucher: Wer wohl? „Sehr viele Italiener“, fasst Josef Turin, Direktor des Tourismusvereins Sterzing, zusammen. „Doch auch viele Deutsche und Schweizer sind mit Bussen zu uns gekommen, vor allem, weil wir mit Partnern in Berchtesgaden und Wolfgangsee zusammenarbeiten.“ Toni Schatzer von der Initiative Brixen hat vorwiegend Italiener gezählt. „Doch auch Einheimische kommen viel vorbei.“ In Bruneck mischten sich zudem Kroaten und Holländer unter die Standl-Besucher, heißt es vom Stadtmarketing.

Der Höhepunkt: Die Verantwortlichen in Meran haben in der Adventszeit fleißig Reisebusse und Wohnmobile gezählt. Die absolute Höchstmarke wurde laut den Veranstaltern der Meraner Weihnacht rund um das zweite Adventwochenende (5. bis 8. Dezember) erreicht: insgesamt 370 Reisebusse und 2000 Wohnmobile. Josef Turin (Sterzing) spricht von einem „Mega-Wochenende“: „Das war schon fast zu viel des Guten.“

Der Tiefpunkt: „Nach Weihnachten war weniger Bewegung auf dem Markt, alles war weniger hektisch“, weiß Roberta Agosti, die geschäftsführende Direktorin des Verkehrsamts von Bozen. „Die Leute sind zwar zum Einkaufen auf den Markt gekommen, aber sie haben auch die anderen Angebote in der Stadt deutlich mehr genutzt.“ In Brixen lief das Geschäft auch nach Weihnachten gut: „Italiener kaufen Christbaumkugeln und Krippenfiguren auch im Jänner. Zuhause haben sie nie diese Auswahl“, sagt Toni Schatzer von Initiative Brixen.

Das Wetter: Kein Segen von oben ist auch ein Segen. „Die schlechte Schneelage hat dem Weihnachtsmarkt überhaupt nicht geschadet, im Gegenteil: Kein Schneepflug musste fahren, es war nicht rutschig, alles lief reibungslos“, so Turin vom Tourismusverein Sterzing. „Das Wetter hat uns echt geholfen“, heißt es auch aus Brixen. Michael Oberrauch vom Stadtmarketing Bruneck meint hingegen: „Wir haben davon profitiert, dass am Kronplatz der Betrieb ganz normal angelaufen ist – trotz der schlechten Schneesituation.“ So habe man auch viele Skitouristen nach der Pistengaudi in die Stadt locken können.

Die Zahlen: Der Bozner Christkindlmarkt ist der größte im Land. Etwa 600.000 Menschen haben den Markt in der Landeshauptstadt heuer besucht. In der Passerstadt hat man rund 500.000 Menschen gezählt. Josef Turin erinnert sich an 120 Busse, die Sterzing an Wochenenden überrollt haben. 200.000 Besucher habe der Markt wohl in die Stadt gelockt, schätzt er. Während sich Brunecks Oberrauch bei Zahlen zurückhält und wage bleibt – „etwas mehr Besucher als vergangenes Jahr“ – , sagt es Toni Schatzer offen heraus: „In Brixen ist der Weihnachtsmarkt ‚norret guat‘ gelaufen.“ Er schätzt mit 300.000 Besuchern.

Die Kassenschlager: „Ätherische Öle, Liköre und Krippenfiguren sind bei Einheimischen sehr beliebt. An Hausschuhen finden sowohl Südtiroler als auch Gäste Gefallen, hier steht’s 50:50“, fasst Toni Schatzer in Brixen zusammen. Josef Turin meint für Sterzing: „Kleinigkeiten werden immer gekauft.“ Und Oberrauch freut sich in Bruneck, dass der italienische Gast wieder etwas spendierfreudiger geworden ist.

Das besondere Etwas: In Brixen machte einer den Unterschied: der „Soliman“. Die Licht- und Musikshow der französischen Lichtkünstler Spectaculaires in der Hofburg lief 40 Tage lang und lockte 50.000 Besucher in die Domstadt. Die Geschichte rund um den kleinen Elefanten begeisterte durchschnittlich 1250 Besucher pro Tag – größtenteils Südtiroler. „Von Glurns bis Sexten, von Brenner bis Salurn. Manche sind von Bozen 4 bis 5 Mal nach Brixen gekommen, um den ‚Soliman‘ zu sehen“, sagt Toni Schatzer. Das hat auch den Weihnachtsmarkt am Domplatz befeuert: „Der ‚Soliman’ hat uns Gäste gebracht und wir wiederum dem ‚Soliman‘.“ Wer nach 119 Shows und 7 Zusatzshows noch immer nicht genug vom Elefant hat, darf sich heute schon auf das Ende des Jahres freuen: Ende 2016 will „Soliman“ Brixen wieder träumen lassen.

pg/stol

stol