Mittwoch, 15. Januar 2020

So überwintern Bienen

Nach dem mit Abstand schlechtesten Honigjahr in der Geschichte Südtirols sind die Imker guter Dinge und blicken positiv in die Zukunft: Sie bereiten sich auf das Frühjahr vor und führen immer wieder Kontrollen an ihren Bienenständen durch, damit ihre sechsbeinigen Schwerstarbeiterinnen gut über den Winter kommen. „Wer glaubt, dass Imker im Winter nichts zu tun haben, liegt falsch“, sagt Imker-Landeschef Engelbert Pohl.

Bis zu 25 Kilogramm Honig braucht ein Bienenvolk im Winter zum Überleben.
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Bis zu 25 Kilogramm Honig braucht ein Bienenvolk im Winter zum Überleben. - Foto: © pd

Die Vorbereitungen zum Überwintern der Bienen bzw. für das Wintervolk beginnen bereits Ende Juli/Anfang August. „Es fängt damit an, dass der Imker das Haus, die sogenannte Bienenbeute, anpasst und damit den Bienen weniger Raum im Stock gibt“, berichtet Pohl. „Weniger Raum ist deshalb nötig, damit die Bienen in den Wintermonaten weniger heizen müssen.“



Zudem versorgt der Imker seine Bienen mit Winterfutter. „Man muss bedenken, dass ein halbwegs starkes Bienenvolk in der kalten Jahreszeit 20 bis 25 Kilogramm Süßstoff zum Überleben braucht – in Form von Honig, der im Stock verbleibt, oder von Zuckerwasser“, berichtet der allseits bekannte Fachmann.

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arüber hinaus muss der Imker seine fleißigen Bienen gegen die Varroa milbe behandeln bzw. von diesem Parasiten befreien, der ganze Völker auslöschen kann. „Nach dem Abtöten der Varroa milbe mit speziellen Mitteln sollen die Bienenstöcke an einem ruhigen und eher schattigen Ort aufgestellt werden“, rät Obmann Pohl. „Die Bienen sollten es im Winter ruhig haben.“

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Der Experte kommt jetzt nochmals auf die Wichtigkeit einer guten Fütterung zurück: „Wenn es draußen kalt ist, kriechen die Bienen im Stock in Form einer Kugel zusammen und wärmen sich gegenseitig“, erklärt Engelbert Pohl. „Je kälter die Außentemperatur ist, desto mehr ziehen sich Bienen gegenseitig an. Sie bekommen ab 8 Grad Celsius zu kalt und würden erstarren. Je kälter es wird, umso mehr fächeln sie mit den Flügeln und erzeugen Wärme. Deshalb brauchen sie auch einen Teil des Futters zur Wärmeerzeugung.“ Das Futter sei also der „Brennstoff“.

In einer Winterkugel können Bienen bis zu 35 Grad Celsius an Wärme erzeugen. In der Mitte dieser Kugel steckt die Königin, das wertvollste Gut im Stock.

Der Imker muss seine Bienenstöcke auch regelmäßig kontrollieren. „Wenn er am Flugloch des Bienenstocks horcht und ein wohliges Sausen vernimmt, dann weiß er, dass mit seinen Bienen alles in Ordnung ist“, sagt Pohl.

Und weil der Imker immer in der Hoffnung auf ein gutes Honigjahr ist, hat er in der kalten Jahreszeit auch andere Aufgaben zu erledigen: „Er bereitet im Winter neue Beuten, Rähmchen und Waben vor“, berichtet Pohl. „Es ist wichtig, den Bienen im Frühjahr neuen Wabenbau zur Verfügung zu stellen. Damit schlägt man 2 Fliegen mit einer Klappe.“

Denn in einem neuen Wabenbau können die Bienen den Honig besser lagern. „Das trägt dazu bei, dass das Endprodukt qualitativ sehr viel hochwertiger ist“, betont der Bundesobmann. „Zudem gibt es in altem Wabenbau vermehrt Krankheitskeime, weshalb dieser Bau raus muss.“

Wenn also ein Imker all seine Hausaufgaben gut gemacht hat, kann das neue Honigjahr kommen. „Ohne Fleiß, kein Preis“, betont der Obmann.




stol