Donnerstag, 08. Juli 2021

2020 erstmals mehr Todesfälle als Geburten in Südtirol

Am 31. Dezember 2020 zählt Südtirol insgesamt 533.715 Einwohner, 1071 mehr als im Vorjahr. Der im Vergleich zu vorhergehenden Jahren geringere Zuwachs resultiert aus der hohen Anzahl an Todesfällen infolge der Covid-19-Pandemie. Trotz negativem Geburtensaldo ist Südtirol die einzige Provinz Italiens, welche 2020 noch einen Bevölkerungszuwachs aufweist.

Erstmals gab es im vergangenen Jahr in Südtirol mehr Todesfälle als Geburten.
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Erstmals gab es im vergangenen Jahr in Südtirol mehr Todesfälle als Geburten. - Foto: © t
Am 31. Dezember letzten Jahres zählt Südtirol 533.715 Einwohner. Gegenüber dem Vorjahr steigt die Wohnbevölkerung um 1071 Personen, was einer Zunahme von 2 Personen je 1000 Einwohner entspricht.


Grafik 1 veranschaulicht, dass Südtirols Einwohnerzahl zwar weiterhin ansteigt, dieser Zuwachs im Jahr 2020 aber deutlich geringer ausfällt als in den vorhergehenden Jahren, was in erster Linie auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen ist. Welche Gemeinden in Südtirol besonders von Corona-Todesfällen betroffen waren, zeigt die interaktive s+Karte.

Der Zuwachs ist ausschließlich dem positiven Wanderungssaldo zuzuschreiben.



2020 mehr Todesfälle als Geburten


2020 gibt es in Südtirol erstmals mehr Todesfälle als Geburten: 5145 Lebendgeborenen stehen 5458 Todesfälle gegenüber. Die Geburten nehmen im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent ab, die Todesfälle um 22,5 Prozent zu. Die Geburtenrate beträgt somit 9,6, die Sterberate 10,2.


In allen Regionen Italiens gab es 2020 ein Geburtendefizit (Anzahl der Geborenen niedriger als jene der Gestorbenen); während diese Entwicklung auf gesamtstaatlicher Ebene aber bereits seit dem Jahr 1993 und auf europäischer Ebene seit dem Jahr 2015 anhält, ist diese Situation für Südtirol neu.

Die hohe Zahl an Todesfällen wirkt sich auch auf die Berechnung der Lebenserwartung aus: 2020 rechnet das ISTAT auf gesamtstaatlicher Ebene mit einer Abnahme der Lebenserwartung gegenüber 2019 von
1,4 Jahren bei den Männern und 1,0 bei den Frauen. Die entsprechenden Werte für Südtirol betragen 1,2 Jahre bei den Männern (80,6 Jahre) und 1,3 bei den Frauen (85,0 Jahre).

Bevölkerungsentwicklung in den einzelnen Gemeinden






Die Bevölkerungsentwicklung verläuft in den verschiedenen Gemeinden bzw. Bezirken nicht homogen: Sind im Überetsch-Südtiroler Unterland sowohl der Geburten- als auch der Wanderungssaldo negativ, ist
im Burggrafenamt, Bozen und Wipptal zwar der Geburtensaldo negativ, der Wanderungssaldo aber positiv. In den restlichen 4 Bezirksgemeinschaften wächst die Bevölkerung sowohl aufgrund des natürlichen als auch des Wanderungssaldos.


Zahl der Ausländer um 2,1 Prozent gestiegen

Laut Schätzungen des ISTAT sind am 31. Dezember 2020 insgesamt 51.203 Ausländer in Südtirol ansässig – dies entspricht einer Zunahme von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Anteil von 9,6 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Methodik

Die Berechnung des Bevölkerungsstandes begann in der Vergangenheit jeweils mit einer Volkszählung und erfasste ab da jährlich die Zu- und Abgänge (Geburten, Todesfälle, Zu- und Abwanderungen), um so den Stand der amtlichen Wohnbevölkerung am Ende des Jahres zu ermitteln. Nach 10 Jahren erfolgte die nächste Zählung, mit welcher die effektiv vor Ort gezählte Bevölkerung mit jener des Melderegisters abgeglichen und eventuelle Abweichungen (z.B. aufgrund nicht erfolgter Austragungen von Fortgezogenen) korrigiert wurden.

2018 wurde die jährliche Dauerzählung eingeführt, welche die klassische Volkszählung ablöste. Folglich wird die Richtigstellung der Daten zum Bevölkerungsstand jährlich und zwar am Ende des Jahres, welches auf das Bezugsjahr folgt, vorgenommen. Dies bedeutet, dass beispielsweise die definitiven Daten zum 31. Dezember 2020 erst am Ende des Jahres 2021 zur Verfügung stehen werden. Dann wird das ISTAT auf Gemeindeebene die Korrekturvariable ausweisen, welche den Bevölkerungsstand korrigiert. Das Ergebnis ist eine statistisch berechnete Bevölkerung. Damit aber in der Zwischenzeit den Behörden und Institutionen Bevölkerungsdaten zur Verfügung gestellt werden können, veröffentlicht das ISTAT bereits im ersten Halbjahr vorläufige Daten.

stol