Freitag, 07. Mai 2021

6 Fälle der indischen Corona-Variante in Südtirol

Sie hat die Infektionszahlen in Indien in die Höhe getrieben: Nun wurde die indische Coronavirus-Variante auch in Südtirol nachgewiesen.

Die indische Variante wurde nun auch in Südtirol nachgewiesen.
Badge Local
Die indische Variante wurde nun auch in Südtirol nachgewiesen. - Foto: © shutterstock
Bei keinem der 6 Fälle wurde aber jene Mutation festgestellt, gegen die die Impfung weniger wirksam sein könnte, weiß die Primaria des Labors für Mikrobiologie und Virologie in Bozen, Dr. Elisabetta Pagani. Sie erklärt, warum es dennoch wichtig ist, weiterhin zu sequenzieren.

Bei den Coronavirus-Varianten unterscheidet das „Centre for Diesease Prevention and Control“ (CDC) zwischen VoI bzw. VuI, VoC und VoHC: Eine „Variant of Interest“ (VoI) bzw. „under Investigation“ (VuI) weist Mutationen an jenen Stellen auf, an denen man auch für sogenannte „Variants of Concern“ (VoC) – also Varianten, die Sorgen bereiten – Mutationen nachgewiesen hat.

Letztere seien genauer definiert, erklärt Dr. Pagani: „Zum Beispiel hat die englische Variante eine höhere Replikationsfähigkeit, was zu einer Reihe von Problemen aus pathologischer Sicht führt“ – die schnellere Replikation bedinge nämlich in einigen Fällen, dass sich der gesundheitliche Zustand des Betroffenen rasch verschlechtert, so die Virologin.

Weitere Mutation bei einigen Virusstämmen der englischen Variante

Die raschere Replikation ist aber nicht der einzige Grund zur Sorge – denn vor wenigen Wochen kam – besonders im Bundesland Tirol – auch eine weitere Mutation bei einigen Virusstämmen der englischen Variante, nämlich E484K, in die Schlagzeilen. Zur Erklärung: Bei der Mutation E484K wurde an Stelle 484 des Spike-Proteins (jenes Protein, das das Coronavirus nutzt, um an die Zellen anzudocken), die Aminosäure Glutaminsäure (E) gegen Lysin (K) ausgetauscht. Damit hat das Virus bessere Chancen, den Immunschutz zu unterlaufen. In der brasilianischen und südafrikanischen Variante ist diese Mutation stets vorhanden – diese haben sich aber, wie auch die Fallzahlen zeigen, nicht so stark ausgebreitet wie die englische Variante.

Als VoC gelten aus diesem Grund die englische Variante wegen ihrer besseren Übertragbarkeit sowie die brasilianische, südafrikanische und kalifornische Variante aufgrund der E484K-Mutation.

Die indische Variante weist u.a. eine ähnliche Mutation auf, nämlich E484Q – also an jener Stelle des Spike-Proteins, an der eine solche Veränderung die Wirksamkeit von neutralisierenden Antikörpern gefährden könnte. „Aber bei unseren Fällen ist die Mutation an Stelle 484 nicht vorhanden“, beruhigt Dr. Pagani, darum handle es sich vorerst um eine VoI bzw. VuI, nicht um eine VoC.

Ganzgenomsequenzierung von 150 Virusstämmen pro Woche

Dennoch sei die Überwachung grundlegend, und die führt man mittels Sequenzierungen durch. Derzeit führt Südtirol die Ganzgenomsequenzierung von 150 Virusstämmen pro Woche durch.

Für eine solche, genaue Sequenzierung brauche man zwischen 7 und 10 Tagen. In dringenden Fällen, wie bei Infektionsherden, könne man zwischen 20 und 30 Virusstämme schneller sequenzieren, und zwar indem man nur die Änderungen im Spike-Protein untersucht, präzisiert die Expertin.

Schließlich unterscheidet das CDC auch sogenannte „Variants of High Consequence“ (VoHC) – das sind jene Varianten, bei denen die Wirksamkeit von Impfschutz und medizinischer Behandlung signifikant reduziert ist. Davon ist bislang weltweit noch keine bekannt.


stol

Alle Meldungen zu: