Montag, 08. Juni 2020

Abfeiern in Zeiten des Coronavirus

An unbeschwerte Partys und Festivals ist nach wie vor nicht zu denken, nun versuchen Veranstalter dieses Manko mit Autodiskos wettzumachen. Die erste offizielle Veranstaltung dieser Art in Südtirol wird in Bruneck über die Bühne gehen.

In Bruneck wird es noch im Juni eine Autodisko geben. Hier ein Bild von der Feier in Innsbruck.
Badge Local
In Bruneck wird es noch im Juni eine Autodisko geben. Hier ein Bild von der Feier in Innsbruck. - Foto: © leitnerfabian
Nach dem altbekannten Muster können Partys, Festivals, Tanzveranstaltungen wohl noch für längere Zeit nicht ablaufen, wie es mit dem Nachtleben in Diskotheken weitergeht, ist ebenso ungewiss.

Fest steht, dass die Coronavirus-Bestimmungen der Veranstaltungsbranche arg zusetzen und mit ihr natürlich auch den Nachtschwärmern. Nun aber lassen einige unerschrockene Akteure mit einem völlig neuartigen Format aufhorchen: Autodiskos.

„Natürlich kann eine Autodisko nicht mit einer herkömmlichen Diskothek gleichgesetzt werden, aber die Sache funktioniert und die Besucher sind begeistert“, sagt Rudi Wilhelm (38), in der Szene als DJ Rudy MC bekannt. Am 30. Mai hatte er seinen ersten Auftritt als Autodisko-Deejay in Innsbruck, nun winkt auch die erste Veranstaltung dieser Art in Südtirol – genaugenommen am 20. Juni in Bruneck.

Zusammen mit seinem DJ-Kompagnon Paul Schanung alias DJ Shany und weiteren Musikern – so etwa dem Pusterer Liedermacher Jonas Oberstaller – wird er im Rahmen eines 3-tägigen „Drive-in“-Festivals am Kronplatz-Parkplatz in Reischach bei dieser bis dato unbekannten Unterhaltungsform für Stimmung sorgen.





Klare Richtlinien

Die veranstaltende Agentur Wingman aus Bruneck gibt klar und deutlich die Richtlinien vor: Die Kapazität ist auf 200 Autos beschränkt, es gelten alle aktuellen Corona-Hygienevorschriften (z.B. 2 Personen pro Auto und Mundschutzpflicht, außer sie leben im gleichen Haushalt), Ticketverkauf nur online.

Die Motoren müssen abgeschaltet werden, Aussteigen ist nur bei dringenden Fällen wie dem Gang zur Toilette erlaubt, bei Problemen mit der Autobatterie sind die Veranstalter mit einer Überbrückung zur Stelle. Alles ist durchdacht und reglementiert.

Musik wird mittels UKW-Frequenz übertragen

Und wie läuft sowas technisch ab? Die DJs bzw. Musiker ziehen wie gehabt auf der Bühne ihr Programm durch, allerdings wird die Musik über eine UKW-Frequenz direkt auf das Autoradio oder Handy der anwesenden Gäste übertragen. Jedes Auto kann folglich individuell die Lautstärke regeln. Und wie kommt das an?

Rudi Wilhelm erzählt von seinen Eindrücken: „Für mich war es zunächst gewöhnungsbedürftig, wenn vor einem statt tanzender Menschen Hunderte Autos stehen. Aber man hat ganz klar gemerkt, wie sehr den Leuten dieses Gefühl abgegangen ist, wie sie es genossen haben.“ Ihre Zustimmung drücken die Autodisko-Besucher über Lichthupe oder über ein Hupkonzert aus – falls dies in einer abgelegenen Gegend vorher erlaubt wird.

Auch er habe es unheimlich genossen, nach der 12 Wochen dauernden Bühnenabstinenz endlich wieder das Partyvolk zu unterhalten. „Aus finanzieller Sicht ist es eine Nullnummer, weil so einem Event viel weniger Leute beiwohnen können. Es geht vielmehr darum, aus der Lethargie zu erwachen und der Branche wieder etwas Leben einzuhauchen“, meint der vom Ritten stammende Deejay, der mittlerweile zu den bekanntesten seiner Zunft in Österreich zählt.

Lösungen für Nachtleben und Unterhaltung gefragt

Wilhelm plädiert für konstruktive Lösungen in der Veranstaltungsbranche, denn auch mit diesem Sektor sind viele vollwertige Arbeitsplätze verbunden. Vor allem müsse es wieder Platz geben für Musik und gemeinsames Abfeiern. „Man sollte besser verhindern, dass das Nachleben still und leise in private Garagen oder Keller abwandert, wo es nur unzureichend kontrolliert werden kann“, gibt er zu bedenken.

Nach der Lockdown-Phase, als er seinen eigenen Youtube-Kanal mit täglichen Livetalks gefüttert hat, blickt er nun wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Neben dem Auftritt in Bruneck stehen weitere Gigs als Autodisko-Deejay in Salzburg, Wiener Neustadt und Klagenfurt an. So dürfte es wohl eine Zeitlang weitergehen. Bleibt die Frage, wann es wieder ein gewohntes Nachtleben geben wird.

fm