Dienstag, 22. März 2022

Abschuss von Bären eingeschränkt: „Urteil ist ein Rückschritt“

Ein Urteil des Staatsrates, mit dem der Abschuss von Bären im Trentino eingeschränkt wird, wirkt sich auch auf Südtirol aus: „Dieses Urteil ist ein Rückschritt bei der Umsetzung unseres Landesgesetzes“, meint Landesrat Arnold Schuler. Nächste Woche will sich der Landesrat mit Umweltminister Roberto Cingolani in Rom treffen – und hofft auf ein Entgegenkommen, um die Großraubwild-Plage endlich in den Griff zu bekommen.

Ein Urteil des Staatsrates erleichtert es Problembären (im Bild M49 in Casteller), weiterhin ihr Unwesen zu treiben – und erschwert Ländern wie Trentino und Südtirol die Entnahme.

Die Vorzeichen sind allerdings nicht die besten. Denn nach diesem Urteil des Staatsrates dürfen der Landeshauptmann oder ein Bürgermeister nicht so ohne Weiteres verfügen, dass aggressives Großraubwild sofort abgeschossen wird, sondern es müsse jeder Fall gesondert bewertet werden. Dabei sei auch der Bären-Managementplan (Pacobace) zu berücksichtigen, welcher bereits „energische Aktionen“ vorsehe, bei denen man aber vorher das Gutachten der Umweltbehörde ISPRA einholen müsse. Der Staatsrat bestätigte somit ein Urteil des Verwaltungsgerichts, mit dem die Leitlinien des Landes Trentino zum Bärenmanagement aufgehoben wurden und der Staatsrat wies einen entsprechenden Rekurs des Landes Trentino vor dem Verwaltungsgericht gegen diese Aufhebung ab.

Landesrat Schuler fordert erneut, dass der strenge Schutzstatus für das Großraubwild (wie dem Wolf) endlich gesenkt werden müsse. „So lange der Schutzstatus so hoch ist, wird die Entnahme von Großraubwild immer eine Partie sein, die vor Gericht ausgetragen wird“, meint der Landesrat. Und jede Partie vor Gericht bringe sehr viel Unsicherheit mit sich. Südtirol habe zwar mit seinem Landesgesetz einen Etappensieg errungen, „in dem wir vor dem Verfassungsgericht gegenüber dem Staat Recht bekommen haben“. Wie berichtet kann Südtirol über die Entnahme, den Fang oder Abschuss einzelner Wölfe in bestimmten Ausnahmesituationen und unter Beachtung der staatlichen und europäischen Vorgaben und nach Einholen des Gutachtens der staatlichen Umweltbehörde ISPRA autonom bestimmen.

„Allerdings sieht man ja auch im Bundesland Tirol, wie schwierig eine Entnahme bei der Umsetzung ist, wenn es sich um streng geschützte Tierarten handelt“, bemängelt Schuler. Das Urteil des Staatsrates zeige einmal mehr, wie mühsam der Kampf ist. „Durch solche Urteile werden die Spielräume immer wieder eingeengt“, kritisiert der Landesrat.

Bei einem Treffen nächste Woche mit Umweltminister Roberto Cingolani stehen die Wildschweine im Mittelpunkt, die in Italien zu einer „massiven Plage geworden sind“, meint Schuler. Aber auch das Thema Wolf und Bär werde zur Sprache kommen. Schuler hofft auf ein Umdenken im Ministerium, speziell auch bei der Umweltbehörde ISPRA, wenn es um Gutachten gehe, die für die Entnahme von Großraubwild notwendig seien.

Im Februar hatte der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti angekündigt, Problembären abschießen zu lassen.

hof

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