Dienstag, 17. November 2020

Allianz für Familie: Öffnung von Kindergarten und Schule unverzichtbar

„Die Arbeitstätigkeit ist derzeit in vielen Bereichen aufrecht, während die Kinder aller Altersstufen zu Hause sind. Diese sind dann entweder unbeaufsichtigt oder werden zu Nachbarn, Verwandten und Großeltern gebracht. Das ist aus epidemiologischer Sicht sehr bedenklich“, sagt die Allianz für Familie.

Der Fernunterricht kann keine langfristige Lösung sein, betont die Allianz für Familie.
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Der Fernunterricht kann keine langfristige Lösung sein, betont die Allianz für Familie. - Foto: © APA/dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Eine Verlängerung dieses Zustandes um weitere Wochen sei nicht hinnehmbar.

„Wir fordern die Landesregierung auf, diesem Umstand Rechnung zu tragen und die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen wie in der Dringlichkeitsmaßnahme des Landeshauptmanns festgelegt und mehrfach bestätigt, wieder in Präsenz zu öffnen.“

Inzwischen gebe es zahlreiche aktuelle Studien, die die negativen Auswirkungen der Schließung von Kitas, Kindergärten und Schulen belegen.

Die Schließung verletze das Grundrecht auf Bildung, verschärfe soziale und gesundheitliche Ungleichheit, gefährde die soziale, psychische und physische Gesundheit der Kinder und Eltern und habe gravierende Auswirkungen auf die Berufstätigkeit der Eltern, v.a. der Frauen und damit auf die finanzielle Situation der Familien.

Fernunterricht als Belastung

„Fernunterricht kann diese negativen Folgen kaum aufwiegen, sondern ist für viele Familien zeitlich und technisch eine zusätzliche Belastung.“

Zudem gehörten Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu den wenigen Bereichen, in denen das Infektionsgeschehen überschaubar und unter Kontrolle sei. „Das gesamte Personal und die Kinder halten sich streng an die Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem für Kleinkindbetreuung, Kindergarten und Grundschule sind die Gründe für die Schließung nicht nachvollziehbar und auch nicht wissenschaftlich belegbar. Die negativen Auswirkungen sind umfassend erforscht.“

Eine Freistellung der Eltern für die Dauer der Schulschließungen (Covid-Sonderelternzeit) wird auf nationaler Ebene geregelt. Aber es kann derzeit noch nicht angesucht werden.

„Aus den bisherigen Erfahrungen ist leider auch bekannt, dass nicht alle erwerbstätigen Eltern Anrecht auf diese Sonderelternzeit haben. Der Jahresurlaub ist längst aufgebraucht und unbezahlte Freistellungen können sich viele Familien nicht leisten, bzw. müssen auch nicht in allen Arbeitsfeldern genehmigt werden. Folglich bleibt vielen Eltern nichts anderes übrig, als schweren Herzens die elterliche Aufsichtspflicht zu verletzen und Kinder und Jugendliche allein zu lassen oder sie in andere Haushalte zu bringen. Die vielgepriesene Alternative Homeoffice ist bei gleichzeitiger Betreuung der Kinder ein schwieriges Unterfangen und führt oft zu Überlastungserscheinungen“, wissen die Vertreter der Allianz.

Auch Oberschüler müssen wieder in den Präsenzunterricht

Kaum diskutiert worden sei zudem die Situation der Jugendlichen. „Wir fordern, dass auch für die Altersgruppe der Mittel- und Oberschüler konkrete Perspektiven aufgezeigt werden und so bald als möglich wieder der alternierende Präsenz- und Fernunterrichts ermöglicht (50 – 50) wird. Ein guter Präsenzunterricht, der vor allem auch zum sozialen Austausch zwischen Jugendlichen genutzt wird, und nicht nur zur Wissensüberprüfung, ist für die gesunde Entwicklung im Jugendalter unbedingt erforderlich.“

Es sei allen Unterzeichnern klar, dass es wegen der Infektionszahlen verständlich und notwendig sei , einschneidende Maßnahmen zu treffen.

Es liege im Interesse der Familien, die Corona-Erkrankungen aller und speziell der Risikogruppen einzudämmen. In diesem Sinn verstehe es sich von selbst, dass Eltern entsprechende Vorkehrungen treffen, damit auch vor und nach der Schule die Ansteckungsgefahr minimiert wird.

„Sollte es in den kommenden Wochen zu einem generellen Lockdown kommen, müssen die Betreuungs- und Bildungseinrichtungen für alle Kinder von Eltern, die (noch) arbeiten zugänglich sein. Dies gilt auch für Eltern im Homeoffice. Der Notdienst muss frühzeitig geplant und organisiert werden, die Einschreibungen müssen mehrere Tage möglich sein“, schließt die Allianz.

Mitgliedsorganisationen Allianz für Familie:
Arbeitskreis Eltern Behinderte (AEB)
Elterninitiative Südtirol
Forum Prävention
Initiative für Vereinbarkeit von Beruf & Familie in Südtirol
Landesbeirat der Eltern (LBE)
Katholischer Verband der Werktätigen (KVW)
Netzwerk der Eltern-Kind-Zentren Südtirols
Sozialgenossenschaft Casa Bimbo Tagesmutter
Südtiroler Plattform für Alleinerziehende
Südtiroler Verein kinderreicher Familien (SVKF)
Väter aktiv
Verein „Donne Nissà - Frauen Nissà“
Wnet Frauen (networking woman) Südtirol

stol