Südtirol hat eine Fläche von 7400,43 Quadratkilometern, einst waren es jedoch 15.981,02 Quadratkilometer. <BR /><BR />Die Grenzen der heute nördlichsten Provinz Italiens und somit die genannte Fläche bestehen seit 1920. Damals wurde Tirol als Folgewirkung der Niederlage von Habsburger-Österreich im Ersten Weltkrieg geteilt. Alle Teile Tirols südlich des Alpenhauptkamms – ausgenommen der Großteil von Osttirol – gingen an Italien. Die Gemeinden Innichen, Winnebach (gehört mittlerweile zu Innichen) und Sexten waren bis 1920 zwar Teil des Bezirks Lienz, sie kamen aber zu Italien.<h3> Das Südtirol-Problem der Wissenschaftler</h3>Bis hierher ist dies für historisch informierte Südtiroler noch nichts gänzlich Aufregendes, außer vielleicht der Osttirol-Aspekt mit Innichen und Sexten. Doch wie kam Südtirol einst auf eine Fläche von 15.981,02 Quadratkilometern und somit auf die mehr als doppelte Größe von heute? <BR /><BR />Um dies aufzuklären, muss man sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. Wie etwa Forscher aus Wuppertal im Jahr 1998. Sie beschäftigten sich mit dem Thema Orchideen in Südtirol und verglichen den aktuellen Stand mit der Historie. Damit die Vergleichszahlen für das heutige Südtirol stimmten, mussten sie dabei aufwändig Daten aus dem historischen Südtirol neu zuordnen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="943072_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Bei unserer Reise in die Vergangenheit müssen wir Tirol so betrachten, wie es viele hundert Jahre bestand. Von einer bevorstehenden Teilung wusste damals natürlich noch keiner etwas und die geografische Begriffsdefinition für Südtirol basierte auf einer einfachen Regel. Alles, was innerhalb Tirols in den damaligen Grenzen nördlich des Hauptkamms lag, wurde Nord- oder nördliches Tirol genannt. Im Großen und Ganzen genau jenes Gebiet, das auch heute Nordtirol genannt wird. Einzige Besonderheit – das heutige österreichische Bundesland Vorarlberg gehörte damals als sogenannte Vorlande zur Gefürsteten Grafschaft Tirol und wurde von Innsbruck aus verwaltet.<BR /><BR />Zwar gab es bis zum ersten Weltkrieg auch den Begriff Welsch-Tirol für die heutige italienische Provinz Trient, doch üblich war auch die Sammelbezeichnung Südtirol bzw. südliches Tirol – für die gesamte heutige autonome Region Trentino-Südtirol. Auch das heutige Osttirol wurde damals als Teil Südtirols bzw. des südlichen Tirols verstanden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="943075_image" /></div> <BR /><BR /> Doch damit nicht genug. Wir müssen auch noch in die heutige Provinz Belluno blicken, nach Venetien, um die Vollständigkeit des einstigen Südtirols zu verstehen. Denn dort liegen heute 2 Gebiete, die einst Teil Tirols und somit Südtirols waren. Die Rede ist von Buchenstein und Hayden.<h3> Buchenstein und Hayden</h3>Wenn man von Wolkenstein in Gröden über das Pordoijoch fährt, kommt man in die Gemeinde Livinallongo del Col di Lana. Sie umfasst das gesamte Buchensteintal, immerhin 99,1 Quadratkilometer groß. Livinallongo heißt auf Ladinisch Fodom und auf Deutsch Buchenstein. Und Buchenstein war einst Teil von Tirol bzw. Südtirol. <BR /><BR />Das gleiche gilt für Hayden, viel besser bekannt unter seinem italienischen Namen Cortina d’Ampezzo (auf Ladinisch Anpez). Hayden brachte einst eine Fläche von 254,51 Quadratkilometern in die Region Südtirol ein. Übrigens – Fodom und Anpezo sind 2 der 5 Täler der zusammenhängenden Region Ladinien (neben Val Badia/Gadertal und Gherdëina/Grödner Tal in Südtirol sowie Fascia/Fassatal im Trentino).<BR /><BR />Wenn wir nun zu den Orchideen-Forschern aus Deutschland zurückkehren, bestand ihre Aufgabe bei der Auswertung von historischen Quellen, die Gebiete von Osttirol, dem Trentino, Buchenstein und Hayden herauszurechnen. Nur so konnte man die Entwicklung der Orchideen in Südtirol mit den Daten aus dem heutigen Südtirol in Einklang bringen und interessante Vergleiche der Entwicklung darstellen.<BR /><BR />