Dienstag, 24. November 2020

Bozner Stadträtin auf offener Straße bedroht und beschimpft

Immer wieder gerät die Zone rund um den ehemaligen Bozner Busbahnhof in die Schlagzeilen. Am Montag wurde Wirtschaftsstädträtin Johanna Ramoser bei einem Lokalaugenschein in der Perathonerstraße verbal angegriffen und beschimpft.

Die Zone rund um den ehemaligen Bozner Busbahnhof gerät immer wieder in die Schlagzeilen.
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Die Zone rund um den ehemaligen Bozner Busbahnhof gerät immer wieder in die Schlagzeilen. - Foto: © fin
Dass die Zone rund um den ehemaligen Busbahnhof der heruntergekommenste Winkel der Landeshauptstadt ist, weiß mittlerweile jeder. „Das ist unser Territorium“, schreien die zumeist mit Drogen und Alkohol vollgepumpten afrikanischen Einwanderer den Passanten zu. Gestern eskalierte die Situation neuerlich.

Wirtschaftsstadträtin Johanna Ramoser hat sich am Montag gegen Mittag mit Kaufleuten in der Südtiroler Straße getroffen. Man wollte ein Projekt besprechen, wie man die Zone mit kleinen Maßnahmen aufwerten könnte. „Die Wirtschaftstreibenden in diesem Eck der Stadt haben seit Jahren einen schweren Stand. Durch die Nähe zum Bahnhofspark sind die Straßen und Plätze von afrikanischen Einwanderern besetzt“, weiß sie. Einbrüche, Pöbeleien gegen Passanten, Drogenhandel und mehr hätten die Gegend innerhalb weniger Jahre zu einer Art rechtsfreiem Raum gemacht.

Den ganzen Tag Alkohol und Drogen

Auf ihrem Rundgang durch die Südtiroler Straße wurde die Stadträtin von den Kaufleuten auch auf die prekäre Situation in der Perathonerstraße aufmerksam gemacht. Dort angekommen, traf man vor einer einschlägig bekannten Bar auf eine größere Gruppe von Afrikanern, die dort quasi den ganzen Tag Alkohol und Drogen konsumieren. Von einer Maske weit und breit nichts zu sehen, Abstandsregeln scheinen in dieser Welt auch nicht zu gelten.

Ramoser hatte den Mut, die Männer darauf aufmerksam zu machen, gefälligst einen Mundschutz zu tragen. „Daraufhin wurde ich aufs Übelste beschimpft. Alles mögliche haben sie mir an den Kopf geworfen. Auch als Hure wurde ich bezeichnet. Es war unterste Schublade“, berichtet sie.

Unfassbare Szenen

Die „Dolomiten“ haben sich daraufhin selbst ein Bild der Lage vor Ort gemacht. Die tumultartigen Szenen waren: Unfassbar; in Großbuchstaben. Es war ein Gebrüll, Schimpf- und Hasstiraden prasselten auf die immer größer werdende Gruppe Schaulustiger nieder, welche sich vor den Afrikaner versammelt hatte; diese gerieten immer mehr in Aufregung. „Das ist unser Territorium, ihr habt hier nichts zu suchen“, brüllten sie sich in Rage und den Einheimischen entgegen.

Ramoser hatte die Quästur verständigt, die sogleich 4 Streifenwagen zum Schauplatz des Geschehens schickte. Auch die Stadtpolizei war mit einem Einsatzfahrzeug vor Ort. Mehrere Polizeibeamte versuchten, mit Schlagstöcken bewaffnet, die Gemüter zu beruhigen. Dafür ernteten sie ebenfalls Schimpf und Spott.

„Seit Jahren müssen wir mit dieser Situation nun leben“, berichtet ein Mitarbeiter des städtischen Autobusdienstes SASA. Die SASA hat vor Ort einen Aufenthaltsraum für die Busfahrer. „Die Stadtbusse können die Haltestelle Perathonerstraße mittlerweile nur mehr selten anfahren, denn die Wartehäuschen sind zumeist von Einwanderern besetzt, die dort ihre Drogen konsumieren“, berichtet er. Viele Passagiere hätten Angst in dieser Gesellschaft auf den Linienbus zu warten. Mittlerweile bleiben die Stadtbusse in der Bahnhofsallee stehen. „Durch die WaltherPark-Baustelle ist die Perathonerstraße zur Einbahnstraße mit Wendeplatz geworden. Der Platz ist aber zumeist schon am Vormittag von diesen Personen besetzt“, berichtet er weiter.

Laut Auskunft einer im Einsatz stehenden Polizeibeamtin seien den Ordnungshütern die Hände gebunden. „Wir können sie zwar kontrollieren und auch mitnehmen, aber wenig später sind sie wieder vor Ort“, sagt die Polizistin.

Anzeige erstattet

Ramoser lässt die vulgären, verbalen Angriffe nicht auf sich sitzen. Sie erstattete gegen einen der Männer Anzeige. „Ich lasse mich nicht als Hure bezeichnen“, sagt sie. Über den Vorfall hat sie auch Bürgermeister Renzo Caramaschi informiert. „Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Wir können es nicht zulassen, dass mitten im Zentrum von Bozen ein Ghetto entsteht.“ Von 2 jungen Polizisten musste die Stadträtin schlussendlich durch den kleinen Durchgang Richtung Südtiroler Straße begleitet werden. Schmutzige, zweideutige Angebot wurden ihr hinterhergerufen. „Mir zittern die Knie. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Am frühen Abend wurde dann bekannt, dass die Polizei einen der Delinquenten mit auf die Quästur genommen hat. Über 5 aus der Gruppe wurde der sogenannten „Daspo urbano“ verhängt. Sie werden damit der Zone verwiesen.

d