Samstag, 16. Mai 2020

Chaos an Brennergrenze: Österreich lässt Südtiroler nicht nach Nordtirol

Etwa 30 Südtiroler wurden am Samstagvormittag – trotz der ausgehandelten erlaubten Gründe – nicht nach Österreich gelassen. So erging es auch einer Überetscherin, die am Brenner kehrt machen musste, weil die österreichische Grenzpolizistin sie nicht nach Österreich einreisen ließ. Woran das lag? STOL hat sich erkundigt.

Österreichische Polizisten bei Grenzkontrollen am Brenner. (Archivbild vom 5. Mai)
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Österreichische Polizisten bei Grenzkontrollen am Brenner. (Archivbild vom 5. Mai) - Foto: © APA / EXPA/JOHANN GRODER
Die 71-jährige Frau wollte ihre Tochter besuchen, die seit Jahren in der Nähe von Innsbruck lebt. 2 Monate hatten sie sich nun schon nicht gesehen, und weil dringende Formalitäten zu regeln sind und gleichzeitig der Enkel am heutigen Samstag Geburtstag feiert, begab sich die Frau in ihrem Fahrzeug auf den Weg.

Natürlich hatte sie sich im Vorfeld informiert und sich erkundigt unter welchen Bedingungen man als Südtiroler nach Österreich einreisen darf.

Wie berichtet, war es seit vergangenen Samstag für Mitarbeiter von Unternehmen mit Sitz in Südtirol für nachgewiesene Arbeitserfordernisse, Studierende, die eine unaufschiebbare Notwendigkeit im Rahmen ihres Studiums vorweisen können sowie Familienmitglieder und Verwandte mit besonders berücksichtigungswürdigenden Gründen und auch Lebenspartner erlaubt, nach Österreich zu reisen. Diese Gruppen seien den so genannten „lavoratori transfrontalieri“ (DPCM vom 26.04.2020) gleichgestellt. Landesrat Philipp Achammer (SVP) erklärte damals, dass diese Personen - sofern der Auslandsaufenthalt nicht länger als 72 Stunden dauert - nach Wiedereintritt in Italien nicht in eine 14-tägige Quarantäne müssen.


Den Südtiroler Verwandten wurde geraten, – und so steht es auch in der Verordnung – eine Ausweiskopie des in Österreich lebenden Familienmitglieds mitzuführen, um den Besuch bei einer Kontrolle glaubhaft zu machen.

Und so hatte auch die betroffene Frau, so erzählt ihre Tochter gegenüber STOL, eine Ausweiskopie dabei. Als sie am Brenner dann von einer österreichischen Grenzpolizistin kontrolliert wurde und diese sie nach den Gründen der Ausreise fragte, erzählte die Überetscherin von ihrem geplanten Besuch bei ihrer Tochter und Enkelsohn, der Geburtstag feiere und die nötige Regelung wichtiger Angelegenheiten.

Sofort habe die Beamtin betont, dass dies keine besonderen Gründe seien und es seit Freitag für Südtiroler Verwandte nur noch für Beerdigungen und Hochzeiten möglich sei, zu ihren Familien nach Österreich einzureisen und schickte die schwer enttäuschte und über die Abweisung auch verwunderte Frau einfach zurück.

Und so erging es am Samstag etwa 30 weiteren Südtirolern. Grund für das Chaos war laut Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) die österreichische Covid-19-Einreiseverordnung, die am Freitagabend leicht abgeändert wurde und am Samstag in Kraft getreten ist. Knoll erklärt gegenüber STOL, dass die österreichische Grenzpolizei bzw. die Miliz, die für die Grenzkontrolle derzeit zuständig ist, über die leichte Abänderung informiert war, allerdings nicht darüber, dass die oben genannte Gruppen von Südtirolern weiterhin sehr wohl einreisen dürfen. Laut Knoll handelte es sich also um ein Missverständnis und um schlechte Kommunikation, sodass es zu diesen ärgerlichen Vorfällen kam.

Mittlerweile sei die Grenzpolizei informiert, es dürfte nun zu keinerlei Problemen mehr kommen. Sven Knoll rät, bei der Einreise außer der Kopie des Ausweises des Familienmitglieds auch die oben abgebildete Verordnung dabei zu haben.

vs