Dienstag, 06. Oktober 2020

Covid-Pandemie: Die Strategie in den Heimen

Südtirols Seniorenwohnheime sind gebrannte Kinder. Damit sich die dramatischen Corona-Monate vom Frühjahr im Herbst nicht wiederholen, knobelt man an Strategien. „Wir setzen auf Antigen-Schnelltests bei Heimgästen, Mitarbeitern und einem Teil der Besucher“, sagt Dr. Eugen Sleiter, ärztlicher Leiter des Altersheims in Dorf Tirol. Dort läuft seit 2 Wochen ein Pilotprojekt.

Heimbewohner sollen nicht „umsonst“ isoliert werden.
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Heimbewohner sollen nicht „umsonst“ isoliert werden. - Foto: © shutterstock
„Wir brauchen mehr Freiheit für die Heimgäste und mehr Sicherheit für die Mitarbeiter“, nennt Dr. Sleiter die Zielsetzung der Test-Strategie.

Im Altersheim von Dorf Tirol werden seit 14 Tagen alle Heimbewohner mit einem Antigen-Schnelltest getestet, wenn sie Fieber haben oder sonstige Grippesymptome entwickeln. Detail am Rande: Ein Antigen-Schnelltest gibt in 10, 15 Minuten Aufschluss, ob jemand infiziert ist. „Zugleich machen wir auch einen Abstrich, denn Heimpfleger sind mittlerweile dahingehend geschult, dass sie Abstriche vornehmen können. Der Heimbewohner wird zudem isoliert. Liegt am 3. Tag das PCR-Ergebnis nicht vor, wird ein zweiter Schnelltest gemacht. Ist dieser negativ, darf der Heimbewohner bereits ab dem 4. Tag wieder frei im Heim zirkulieren“, sagt Dr. Sleiter.

Mit Antigen-Schnelltests überwacht werden auch jene Heimbewohner, die das Heim verlassen dürfen. „Für einen Frisör- oder Zahnarztbesuch oder einfach, um einen Spaziergang mit Verwandten zu machen. Bei seiner Heimkehr muss er dann eine chirurgische Maske tragen, und am Folgetag wird er einem Schnelltest unterzogen. Am selben Tag zu testen, bringt nichts, denn der Test würde nicht ansprechen“, so Dr. Sleiter. Ist das Ergebnis negativ, darf der Heimgast ganz normal zirkulieren.

Der Antigen-Schnelltest soll aber auch bei Besuchern von dementen oder schwerkranken Bewohnern angewandt werden. „Demente Menschen verstehen nicht, dass sie Abstand halten müssen“, so Dr. Sleiter.

Und letztlich sollen auch angeschlagene Mitarbeiter mit Husten, Schnupfen usw. getestet werden. „Nach dem Antigen-Schnelltest müssen sie eine FFP2-Maske tragen und können weiterarbeiten bis zu einem weiteren Schnelltest. So werden Mitarbeiter nicht mehr zur Gefahr, und es kommt nicht zu so großen Mitarbeiter-Ausfällen“, sagt Dr. Sleiter.

Er hat u.a. mit Beatrix Kaserer, Direktorin des Lorenzerhofs in Lana, mit Rita Obkircher, Pflegedienstleiterin im Altersheim Sarner Stiftung, sowie dem Hausarzt Dr. Ernst Fop Leitlinien ausgearbeitet.

Diese werden am Donnerstag der Task-Force Altersheime präsentiert und dort besprochen. „Die Antigen-Tests sollen uns helfen, schneller zu sein im Erkennen einer Infektion, oder eben einen Heimbewohner nicht umsonst in seinem Zimmer zu isolieren“, sagt Rita Obkircher. Die Strategie ist auch, dass ein positiver Fall von einem Heim in eine Ausweichstruktur gebracht wird. „Denn es kann nicht mehr sein, dass wir wegen eines positiven Falles 60 Mitbewohnern jeden Besuch vorenthalten. Der Heimalltag soll wieder so normal wie möglich sein“, meint Rita Obkircher.

lu