Dienstag, 07. April 2020

Der Ärger mit den Schutzmasken

Sanitätsbetrieb in Erklärungsnot: Es geht um den Ankauf von 250.000 Schutzmasken des Typs FFP3, die die Firma Oberalp aus China organisiert hatte. Diese sind für den Gebrauch in den Intensivstationen vorgesehen. Daraus wurde aber nichts, weil ein Testbericht aus Wien Mängel bei der Passform ausmachte. „Daraufhin haben wir sofort ein Rundschreiben verschickt, dass diese Masken nicht im Covid-Hochrisikobereich einzusetzen sind“, sagte Florian Zerzer, der Chef des Sanitätsbetriebs am Montag.

Chinesische Schutzmasken für die Intensivstation, die von der Oberalp Gruppe geliefert wurden und wegen Passform-Problemen nicht dort verwendet werden können, bringen  den Sanitätsbetrieb in Erklärungsnot.
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Chinesische Schutzmasken für die Intensivstation, die von der Oberalp Gruppe geliefert wurden und wegen Passform-Problemen nicht dort verwendet werden können, bringen den Sanitätsbetrieb in Erklärungsnot.
Die Masken waren Teil einer großen Schutzausrüstungslieferung, die die Oberalp Gruppe in China organisiert hat. „Die Oberalp Gruppe ist kein Experte für Sanitärgüter und Zertifizierungen in diesem Bereich. Deshalb können wir kein Urteil darüber abgeben, ob die Schutzmaterialien den teilweise medizinischen Anforderungen entsprechen oder nicht“, ließ Geschäftsführer Christoph Engl am Montag auf „Dolomiten“-Anfrage wissen. Klartext: Wenn etwas nicht passt, geht das nicht auf unsere Kappe. Ware und Transport – Teile gingen ans Bundesland Tirol – kosteten rund 10 Mio. Euro.

„Die Verwendung der Masken nur auf Covid-Normalstationen ist reine Vorsicht. Die Sicherheit der Ärzte und Pfleger war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Wenn die Masken richtig sitzen, entsprechen sie FFP3-Standard. Insofern weist die Lieferung keine Mängel auf. Ich wüsste nicht, warum wir Regressforderungen stellen sollten“, so Zerzer.

„Es war eine Notsituation“

„Es war eine Notsituation. Wir riskierten von einem Tag auf den anderen, ohne Schutzmasken dazustehen. Dann kam die Lieferung, die auch von den Medizinern wie Prof. Christian Wiedermann von der Uniklinik Innsbruck für gut befunden worden ist. Und die Sicherheit der Mitarbeiter war absolut gewährleistet“, betont Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. Auch Dr. Patrick Franzoni, Leiter der normalen Covid-Station in Bozen, betont: „Wir liefen Gefahr, keine Schutzausrüstung mehr zu haben. Ich verwende sie jeden Tag und will bestimmt nicht krank werden“, so Dr. Franzoni.

„Das Ganze ist für uns sehr deprimierend, zumal die Sicherheit der Mitarbeiter immer wieder Thema war, aber wir von unseren Vorgesetzten nicht grad mit Offenheit konfrontiert wurden“, bemängelt Dr. Ivano Simioni (Ärzte-Gewerkschaft BSK/VSK). Auch die Ärzte-Gewerkschaft Anaao und die Krankenpflege-Gewerkschaft Nursing Up fordern Klarheit „zur fehlenden Zertifizierung der Schutzausrüstung“. Für Anaao-Chef Dr. Edoardo Bonsante, „gibt der Sanitätsbetrieb kein gutes Bild ab“.

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d/lu

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