Samstag, 22. August 2020

Südtirol rüstet sich für die zweite Welle

Die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle ist in ganz Europa groß. In Südtirol ist die Zahl der Neuinfektionen ebenfalls angestiegen. „Große Sorge bereitet mir aber, wie wir Herbst und Winter überstehen“, sagt Dr. Patrick Franzoni, Vize-Einsatzleiter des Covid-19-Teams. Im Sanitätsbetrieb laufen die Planungen auf Hochtouren.

Die Zahl der Intensivbetten wurde massiv erhöht. Sollte es auch in Südtirol zu einer zweiten Corona-Welle kommen, könnten die Kapazitäten rasch wieder hochgefahren werden.
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Die Zahl der Intensivbetten wurde massiv erhöht. Sollte es auch in Südtirol zu einer zweiten Corona-Welle kommen, könnten die Kapazitäten rasch wieder hochgefahren werden.
„Wir profitieren jetzt von den Erfahrungen, die wir bei der ersten Corona-Welle gemacht haben“, sagt Florian Zerzer, Generaldirektor des Sanitätsbetriebes. Bis zu 500 Betten waren zu Spitzenzeiten auf den Covid-Normalstationen in Krankenhäusern und Privatkliniken belegt. Für Patienten, die eine Intensivbetreuung brauchten, waren es 60. Dank dynamischem Bettenplan, der im Frühjahr ausgearbeitet wurde, ist es möglich, die Kapazitäten je nach Bedarf rasch wieder hochzufahren. Hinzu kommt, dass man jetzt auch über die in „Phase 1“ eröffnete Covid-19-Abteilung in der neuen Klinik in Bozen verfügt. Nicht zuletzt dadurch kann die Zahl der Intensivbetten auf bis zu 90 hochgefahren werden.

Schwierigkeiten bei aseptischen Schutzanzügen

Auch bei technischen und Beatmungsgeräten habe man nachgerüstet, so Zerzer. Und das, obwohl es nach wie vor schwierig sei, solche Geräte zu beschaffen. Und wie sieht es mit der Schutzausrüstung aus? „Bei den Masken gut. Die bekommen wir derzeit problemlos“, sagt Zerzer. Schwierigkeiten gebe es allerdings noch immer bei den aseptischen Schutzanzügen.

„Jeder Plan, der jetzt gemacht wird, muss möglicherweise in 2 Wochen schon wieder angepasst werden“, gibt Dr. Franzoni zu bedenken. Derzeit grundlegend sind ausgedehnte Tests. Dadurch gelinge es, Infizierte herauszufiltern, zu isolieren, und die Ansteckungsrate möglichst gering zu halten. Dank der intensiven Kontrollen stehe Südtirol derzeit zahlenmäßig noch gut da. „Ziel muss nämlich sein, dass die Betten, vor allem die Intensivbetten, erst gar nicht gebraucht werden“, so Dr. Franzoni. „Wir müssen aufpassen, dass uns die Zahlen nicht überrollen.

Angst vor Schulbeginn

Kopfzerbrechen bereitet ihm der bevorstehende Schulbeginn. „Es ist wichtig, dass der Schulbetrieb wieder los geht“, betont er. „Aber diese Situation haben wir erstmals in der Geschichte, und da fehlen uns noch ein paar wichtige Eckdaten.“ Zudem widerlege eine erst gestern veröffentlichte US-Studie klar, dass Kinder keine Virusträger sind, so der Arzt. Demnach können infizierte, symptomfreie Kinder sogar mehr Viren in sich tragen als erwachsene Intensivpatienten. Und laut Studie könne es auch bei Kindern zu schweren Krankheitsverläufen kommen.

„Umso mehr gilt es, die AHA-Regel unbedingt einzuhalten“, appelliert Franzoni. „Abstand halten, Hände desinfizieren und Alltagsmaske!“ Noch begünstige die Situation, dass man sich viel im Freien aufhalten kann. Doch schon bald heißt es wieder über einen längeren Zeitraum mit anderen in geschlossenen Räumen verbringen. „Und zu Covid-19 kommen noch Grippe-Viren und Influenza dazu“, so Dr. Franzoni. Da gelte es, möglichst rasch zu differenzieren. „Aus dem Grund haben wir mit Apotheken und Rotem Kreuz Konventionen abgeschlossen“, so Zerzer. „Um die Testkapazität zu erhöhen und um Pflegepersonal, das bisher Tests durchgeführt hat, wieder in der Pflege einsetzen zu können.“

d/em

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