Mittwoch, 17. März 2021

EVZ: 2020 - Das Horrorjahr für den Flugverkehr

2020 war ein schwarzes Jahr für Flugreisende aber auch für Fluggesellschaften, welche die drastischen Folgen der Pandemie zu spüren bekommen haben. „Es gilt eine Pleitewelle im Luftverkehr zu vermeiden, trotzdem müssen gleichzeitig die Rechte der Reisenden geschützt werden“, erklärt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ).

Die Corona-Pandemie brachte große Schwierigkeiten für Reisende und Fluggesellschaften.
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Die Corona-Pandemie brachte große Schwierigkeiten für Reisende und Fluggesellschaften. - Foto: © shutterstock
Das Jahr 2020 war beispiellos, auch in Bezug auf die Beschwerden über Flugreisen: So gab es im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg von Anfragen und Beschwerden, wie ihn weder das EVZ Italien noch das Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net) in Vergangenheit erlebt hat.

Von den 11.386 Informationsanfragen, die das EVZ Italien im Jahr 2020 bearbeitet hat, betrifft fast die Hälfte (43 Prozent) den Transportsektor. Dazu gehören unter anderem Transportdienstleistungen, aber auch Anfragen zum Autoverleih sowie zum Kauf von Fahrzeugen und Transportzubehör.

Zahlreiche Beschwerden im Transportsektor

Fast 3 von 10 Anfragen (3219 von 11.386), die von den Beratern des EVZ Italien bearbeitet wurden, betreffen Probleme im Flugverkehr, und von diesen sind fast 2 Drittel (2089) direkt auf die Pandemie zurückzuführen.

Was die konkret bearbeiteten Beschwerden betrifft, ist diese Zahl sogar noch höher: 2 von 3 der beim EVZ Italien von italienischen Verbrauchern eingereichten Beschwerden gegen europäische Unternehmen sind dem Transportsektor (67 Prozent) zuzuordnen, wobei ein großer Teil dieser Beschwerden auf coronabedingte Flugausfälle zurückzuführen ist.



Weniger eindeutig, aber dennoch hoch, ist diese Zahl hinsichtlich der Beschwerden von europäischen Verbrauchern gegen italienische Unternehmen: Bei insgesamt 1179 Anfragen und Beschwerden bezogen sich 38 Prozent davon auf den Transportsektor.

Ineffektives Beschwerdemanagement der Fluggesellschaften

„Die Europäische Union hat mehrere Fahrgastrechte-Verordnungen erlassen, die einen umfassenden Schutz der Passagiere gewährleisten sollen. Allerdings bleibt die Anerkennung dieser Rechte seitens der Fluggesellschaften in vielen Fällen eine Wunschvorstellung“, erklärt Milena Favretto, Beraterin im EVZ Italien. Dies zeige sich auch im Beschwerdemanagement der Fluggesellschaften, welches oft ineffektiv ist.

„Die EU-Fluggastrechteverordnung Nr. 261/2004 besagt, dass die Rückerstattung ein Recht des Passagiers ist, also sollte sie automatisch und nicht auf Antrag des Fahrgastes erfolgen“, so Favretto weiter. Eine automatisierte Abwicklung der Erstattungen wäre auch für die Unternehmen von Vorteil, da sie dadurch den Mehraufwand der bürokratischen Abläufen reduzieren können.

Angst vor der Pleitewelle

Auf der anderen Seite mussten in den vergangen Jahren mehrere Fluggesellschaften Konkurs anmelden. Eine Pleitewelle sei mit Sicherheit nicht im Interesse der Verbraucher, denn wenn der Markt nicht attraktiv ist, besteht die Gefahr, dass bestimmte Flugstrecken von wenigen Anbietern zu ungerechtfertigt hohen Ticketpreisen angeboten werden und es auf einzelnen Flugstrecken de facto zu einer Monopolstellung kommt.

Letztendlich gehe es darum, ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Passagiere und jenen der Unternehmen zu finden. „Wenn die Passagiere geschützt sind, kann das Vertrauen der Verbraucher gestärkt, ein Neustart im Tourismussektor gefördert und eine Pleitewelle vermieden werden: Dies kommt sowohl den Verbrauchern als auch der Reisebranche zu Gute“, so das EVZ.

Und wie sieht es im Jahr 2021 aus?

Aufgrund der geltenden Reisebeschränkungen ist der Flugverkehr noch immer stark eingeschränkt. „Diese erzwungene Reisepause könnte man jedoch zum Anlassen nehmen, um zu überlegen, wie wir in Zukunft nachhaltig reisen möchten und um einige Entwicklungen der vergangen Jahre kritisch zu überdenken“, erklärt Monika Nardo, Koordinatorin des Europäischen Verbraucherzentrums Italien – Büro Bozen.

„So hat die EU-Kommission Ende Dezember einen Plan für eine umweltfreundliche, intelligente und erschwingliche Mobilität vorgestellt und auch und im Rahmen des europäischen Grünen Deals gehört die nachhaltige Mobilität zu den Schwerpunktthemen“, schließt Nardo ab. Auch hier gilt: Nur wenn Verbraucher und Unternehmen sich um ein nachhaltiges Reisen bemühen, werden diese Ziele auch erreichbar sein.


Die Beraterinnen des EVZ in Bozen sind telefonisch unter der Nummer 0471 980939 und via E-Mail unter [email protected] erreichbar und bieten kostenlose Beratung und Unterstützung.

Auf der Internetseite des EVZ stehen zudem zahlreiche Informationen, nützliche Tipps, Musterbriefe und vielfältige Publikationen im Bereich der Flugreisen zum kostenlosen Download zur Verfügung.

stol