Freitag, 09. Juli 2021

Fall Sara Pedri: Sanitätsdirektor bleibt vorerst im Amt

Der Trientner Sanitätsdirektor Pier Paolo Benetollo bleibt vorerst im Amt. Das gab Landeshauptmann vom Trentino, Maurizio Fugatti, auf einer Pressekonferenz bekannt. Benetollo hatte seinen Rücktritt im Zusammenhang mit dem Fall der im März verschwundenen Gynäkologin Sara Pedri angeboten.

Die Ärztin Sara Pedri ist seit März verschwunden.
Die Ärztin Sara Pedri ist seit März verschwunden. - Foto: © Ansa
Das Verschwinden der Gynäkologin schlug hohe Wellen an ihrem früherem Arbeitsplatz, dem Krankenhaus Santa Chiara in Trient, wo sie 3 Monate unter der Leitung des Primars Saverio Tateo gearbeitet hatte. Nach ihrer Bitte um Versetzung, arbeitete sie im Krankenhaus von Cles.

Unmittelbar danach kündigte sie und verschwand. Am 4. März wurde ihr Auto in der Ortschaft Mostizzolo in der Gemeinde Cis gefunden, an der Straße, die von Cles ins Val di Sole führt, unweit von der Santa-Giustina-Talsperre. Viele Suchen wurden durchgeführt, ohne Erfolg. Die Direktion des Trentiner Sanitätsbetriebes bestritt erst einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden Pedris und der Arbeitssituation im Krankenhaus. Dennoch steht die Vermutung im Raum, dass es einen Zusammenhang geben könnte.

Sara Pedris Schwester Emanuela berichtete in Medien von Amtsmissbrauch seitens der Vorgesetzten der jungen Ärztin, von zermürbenden Arbeitsschichten und Demütigungen und Mobbing, die die Gynäkologin zur Kündigung getrieben hätten. Sie soll bei einem Kaiserschnitt von Kollegen vor einer Patientin verbal angegriffen und sogar geschlagen worden sein. Die Familienangehörigen schließen nicht aus, dass sich die Frau das Leben genommen haben könnte.

Andere Mitarbeiterinnen vor ihr sollen ebenfalls binnen kurzer Zeit ihre Kündigung eingereicht haben, wenn auch nicht mit direktem Vermerk auf den Primar.

Bei einem informellen Gespräch soll auch Sanitätsdirektor Pier Paolo Benetollo von Mitarbeiterinnen über die Vorfälle in der Abteilung unterrichtet worden sein. 5 Gynäkologinnen haben sich indes Anwälte genommen, auch soll es ein Schreiben vom 2. Juli geben, in dem auf die Unvereinbarkeit einer Rückkehr des Leiters mit einem guten Arbeitsklima hingewiesen wurde.

Dennoch hatte Benetollo dessen Beauftragung – ohne Wissen der Landesregierung – bestätigt, und vergangene Woche nach einem diesbezüglichen Gespräch mit Landeshauptmann Maurizio Fugatti seinen Rücktritt angeboten. Heute teilte Fugatti schließlich mit, dass Benetollo vorerst im Amt bleibt und seine Funktionen weiter ausübe. Allerdings könne es zu einer Neubewertung der Sachlage kommen, wenn die Ergebnisse der internen Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Antonio Ferro, Direktor der Präventionsabteilung des Sanitätsbetriebes, vorliegen.

Der in den Fokus geratene Leiter der Abteilung, Primar Tateo, ist indes nach seinem Urlaub vor wenigen Tagen zum Erstaunen vieler an seinem Arbeitsplatz erschienen. Dort sieht er sich nun mit den Inspektoren des Gesundheitsministeriums konfrontiert, die ihre Arbeit in Trient aufgenommen haben.

Wie berichtet, sollen Spürhunde bereits Ende März einen Hinweis auf eine menschliche Leiche im Santa-Giustina-See bei Mostizzolo gefunden haben. Dabei könnte es sich um Sara Pedri handeln. Der Leichnam wurde allerdings bisher nicht geborgen.

d/ansa/stol