Freitag, 18. Dezember 2020

Forderung: Jugendzentren sollen wieder öffnen

Die Coronavirus-Krise hat große Auswirkungen auf die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Bei einem Treffen mit der Landespolitik wurde unter anderem die Forderung laut, Jugendzentren und Treffs wieder zu öffnen.

Jugendliche sind größtenteils gezwungen, sich daheim zu beschäftigen.
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Jugendliche sind größtenteils gezwungen, sich daheim zu beschäftigen. - Foto: © shutterstock
Am 16. Dezember trafen die Landesräte Deeg, Achammer, Alfreider und Vettorato, die Kinder- und Jugendanwältin Höller, Tanja Rainer und Kevin Hofer vom Südtiroler Jugendring, Robert Perathoner, Wolfram Nothdurfter und Karin Husnelder vom netz sowie Karlheinz Malojer von der AGJD zusammen.

Im Vorfeld hatten die Kinder- und Jugendanwaltschaft und die Dachverbände in einer Stellungnahme die Landesregierung auf jene Punkte aufmerksam gemacht, wo aus Sicht der Kinder und Jugendlichen Handlungsbedarf besteht. Gegenstand des virtuellen Treffens war ein Austausch darüber.

Viele Anfragen zu Schul-Schließungen

Die Kinder- und Jugendanwältin Höller berichtete, dass sie sehr viele Anfragen zu den Schließungen der Schulen erhalten hat: „Gerade auch für ältere Schüler ist die Schule ein wichtiger Teil des Lebens. Schule bedeutet für die Jugendlichen Normalität, Alltag und Routine. Dass auch in den Oberschulen am 7. Jänner wieder Präsenzunterricht stattfindet, ist für die Sozialisierung und die psychische Gesundheit der jungen Menschen unbedingt notwendig. Viele Jugendliche ziehen sich bereits sozial zurück, die mittel- und langfristigen Auswirkungen sind noch gar nicht absehbar.“

Forderung: Jugendzentren und Co. wieder öffnen


Das netz forderte, dass Jugendzentren, -treffs und Jugendkulturvereine wieder öffnen, die AGJD forderte, dass auch andere Orte, wo sich Kinder und Jugendliche treffen, öffnen. Bereits im Frühjahr mussten Jugendorganisationen und -einrichtungen sowie Sportstätten und Orte, in denen soziale Kontakte und Interaktionen junger Menschen stattfinden, ihre Regeltätigkeit einstellen. Dabei ist unmittelbarer Kontakt mit den Jugendlichen auf lange Sicht unumgänglich: Als Teil des Lebensumfeldes junger Menschen schafft die Jugendarbeit Räume, in welchen Heranwachsende sich austauschen können.

Dieser Austausch sei für die Entwicklung der eigenen Identität, der Teilhabe und Orientierung an der Gesellschaft von enormer Wichtigkeit. „Kindern und Jugendlichen bleiben Spannungen innerhalb der Familie wie Konflikte, Existenzängste, Sorgen um Arbeitsplätze, nicht verborgen. Einige junge Menschen verfügen über weniger stabile private Netzwerke und geringere soziale und materielle Ressourcen als Gleichaltrige. Jugendarbeit leistet insbesondere für bildungs- und ökonomisch benachteiligte junge Menschen einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und Teilhabe,“ so die Geschäftsführerin vom netz Karin Husnelder.

„Die Perspektive von jungen Menschen muss stärker berücksichtigt werden, vieles wird aktuell aus der Perspektive der Erwachsenen geplant und umgesetzt. Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sind nicht immer deckungsgleich mit jenen ihrer Eltern, der Erwachsenenwelt und der Wirtschaft,“ fügte der Geschäftsführer der AGJD Karlheinz Malojer hinzu.

Thema Generationengerechtigkeit

Der Südtiroler Jugendring hat anschließend das Thema Generationengerechtigkeit angesprochen. „Wir leben derzeit auf Kosten unserer Kinder und Jugendlichen, indem wir Schulden aufnehmen, die sie zurückzahlen werden. Nachdem wir uns gerade sehr viel Geld bei unseren Kindern leihen, müssen wir dieses so einsetzen, dass es auch nachhaltig wirkt. Das gilt gerade auch für den Landeshaushalt,“ bemerkt Tanja Rainer, die Vorsitzende des Südtiroler Jugendringes.

Alle Anwesenden waren sich abschließend darüber einig, dass den Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft der Stellenwert und die Chancen, die ihnen zustehen, gesichert werden müssen, um die jungen Menschen zukünftig - nicht nur für den Fall einer dritten Welle der Pandemie - besser zu unterstützen.

lpa/stol

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