Mittwoch, 17. Juni 2020

„Von Herdenimmunität in Gröden noch weit entfernt“

Nach einer groß angelegten Studie mit flächendeckenden Corona-Tests steht nun das Ergebnis fest: Gerade mal ein Viertel der 2194 getesteten Personen in Gröden waren mit dem Virus infiziert. Von einer Herdenimmunität sei man somit noch weit entfernt, teilt der Südtiroler Sanitätsbetrieb mit.

Flächendeckende Tests wurden durchgeführt.
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Flächendeckende Tests wurden durchgeführt. - Foto: © shutterstock
Zwischen 26. Mai und 8. Juni wurde in Gröden eine breit angelegte Studie zur Verbreitung des Coronavirus durchgeführt. Vom Landesamt für Statistik ASTAT waren 2958 Personen eingeladen worden.

2194 Personen, also rund 74 Prozent, folgten der Einladung. Den Probanden wurde ein Nasen-Rachen-Abstrich für den PCR-Test sowie Blut für den Antikörper-Test entnommen.

Am Mittwochvormittag wurden die Ergebnisse vor der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana präsentiert: Demnach sind bisher nur rund ein Viertel, genau genommen 26,86 Prozent der Getesteten, mit dem Virus in Kontakt gekommen und weisen Antikörper auf.

„Wir sind also von einer Herdenimmunität auch im Grödnertal noch weit entfernt“, so Studienleiter Michael Mian, der Verantwortliche der Onkohämatologischen Tagesklinik m Landeskrankenhaus Bozen.

Mit dem Virus in Kontakt gekommen seien demnach weit weniger Menschen als vermutet. „Wenn das schon in einem so genannten 'Hot Spot' in Südtirol wie Gröden der Fall ist, lässt dies den Schluss zu, dass sich im Rest des Landes noch viel weniger mit dem neuartigen Virus infiziert haben“, erklärte Mian.

Laut Studie gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Seroprävalenz beträgt demnach bei den Frauen 24 Prozent, bei den Männern hingegen 28,7 Prozent. Auch zwischen den Gemeinden treten signifikante Unterschiede hervor: In St. Ulrich betrug die Seroprävalenz 23,2 Prozent, in St. Cristina 27,7 Prozent und in Wolkenstein 31,1 Prozent.

Auch das berufliche Umfeld habe Einfluss auf das Vorhandensein von Antikörpern. Bei Personen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, verfügten 27,26 Prozent über Antikörper. Bei im Tourismus Beschäftigte betrug der Anteil 31,59 Prozent und bei „inaktiven Personen“ 23,01 Prozent.

„Die Durchseuchungsrate ist demnach im Talschluss höher als am Talbeginn. Auch bei den Beschäftigten im Tourismussektor ist eine höhere Durchseuchung festzustellen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Infektionswelle über diesen Kanal und vom Talschluss aus ihren Ausgang genommen hat“, so Mian weiter.


Keine aktiv Infizierten

Ein weiteres interessantes Detail sei, dass bis auf einen Befund mit zweifelhaftem Ergebnis alle Nasen-Rachen-Abstriche negativ waren. Keiner der rund 2200 Teilnehmer sei demnach akut an Covid-19 erkrankt. Somit zirkuliere das Virus in den Grödner Gemeinden nicht oder kaum mehr.

Für Gesundheitslandesrat Thomas Widmann ein positives Ergebnis: „Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass die Isolationsmaßnahmen bis zu hin zum Lockdown Wirkung gezeigt haben. Das Virus zirkuliert aktuell kaum mehr im Tal. Trotzdem müssen wir weiterhin vorsichtig bleiben, weiterhin Abstand halten, regelmäßig Hände waschen und auch – wie vorgesehen – weiterhin den Nasen-Mundschutz tragen“.

stol

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