Um die Begleitung und Therapie von Menschen mit Problemen illegaler Substanzen kümmern sich in Südtirol verschiedene Einrichtungen. HANDS begleitet Menschen mit Problemen legaler Substanzen. Dr. Walter Tomsu, Sanitätsdirektor von HANDS und Bruno Marcato, der Direktor des Vereins warnen, dass sich vor allem bei Patienen bis 40 Jahren der Mischkonsum häufe, unter anderem Alkohol plus Kokain. <BR /><BR />„Die Konsummuster haben sich in den vergangenen 40 Jahren deutlich von einem ,Mono-Konsum‘ hin zu einem ,Poly-Konsum‘ entwickelt. Diese Entwicklung bedingt sich durch ein erhöhtes Substanzspektrum, durch erhöhte Verfügbarkeit, durch sozio-kulturelle Mythologisierung, durch Idealisierung in unserer konsumorientierten Gesellschaft und durch neue Verteilungskanäle im Internet“, erklärt Dr. Walter Tomsu.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="782723_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Organisiertes Verbrechen macht astronomische Gewinne</b><BR /><BR /> Drogen seien ein führender Wirtschaftsfaktor, bei dem vor allem das organisierte Verbrechen astronomische Gewinne mache. Mischkonsum gibt es unter anderem aus Gründen einer Wirkungserhöhung und Wirkungserweiterung, aber auch aus Mitläufertum, sagt der Sanitätsdirektor von HANDS.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="782726_image" /></div> <BR /><BR />„Die klassische Kombination gegenwärtig ist Alkohol plus Kokain. Polytoxisches Verhalten erhöhe die Gesundheitsrisiken, aber auch die Entwöhnungsbehandlungen werden dadurch komplexer“, sagt Bruno Marcato, Direktor von HANDS. „Die Therapieziele umfassen eine Bandbreite von vollständiger Entwöhnung hin bis zur Schadensbegrenzung, meist mittels kontrollierter Abgabe von Substitutionssubstanzen. Die Behandlungsspielbreite richtet sich auf Ziele wie Abstinenz hin bis zum kontrollierten (reduzierten) Konsum.“<BR /><BR /><b>Illegale Substanzen bergen Risiken für Gesundheit in sich</b><BR /><BR />„Generell bergen illegalen Substanzen immense Risiken für körperliche und seelische Gesundheit in sich, sei es durch die Substanz selber wie durch unsauberen Stoff, durch Überdosis und Abhängigkeit oder durch die Art der Einnahme, die zu Infektionserkrankungen führen kann“, sagt Dr. Walter Tomsu. Es kommt aber auch zu psychischen Problemen, zu Gewalt und Unfällen, zu Ausgrenzung, Kriminalisierung und zum sozialen Abstieg. <BR /><BR />„In den vergangenen vier Jahrzehnten hat vor allem ,Binge-Drinking‘ zugenommen“, erklärt Bruno Marcato. <BR /><BR />„Dabei handelt es sich um das Trinken einer großen Menge von Alkohol in relativ kurzer Zeit. Legale Substanzen wie Alkohol und Zigaretten sind aufgrund sozio-kultureller Faktoren und ökonomischer Interessen zum Erwerb freigegeben, durch Altersbeschränkungen oder kontextspezifische Reglementierungen wie Straßenverkehr oder Arbeitsplatz geregelt. Das bedeute aber nicht, dass diese Substanzen als harmlos einzustufen seien“, sagt der Direktor von HANDS. Die meisten Drogentoten weltweit bedingen sich nach wie vor durch Tabak und Alkohol.<BR /><BR /><b>Auch bei Cannabis macht die Dosis das Gift</b><BR /><BR />„Die Haltung gegenüber Cannabis hat sich im Lauf der Jahre aus pragmatischen Gründen und der zunehmenden Verbreitung der Substanz in Richtung Entkriminalisierung des Eigenbedarfes entwickelt“, erklärt Dr. Walter Tomsu. <BR /><BR />Die Frage der Legalisierung werde weltweit gegensätzlich und emotionalisiert behandelt: „Dabei wird oft ins Treffen geführt, dass Cannabis weniger schädlich als Alkohol sei, was aus medizinischer Sicht eine Bagatellisierung darstellt.“ Auch hier gelte der Grundsatz, dass die Dosis das Gift mache. Es bestehe niemals ein harmloser Konsum von Substanzen. Die Grenzen zwischen Genuss und Verdruss seien sehr unscharf.<BR /><BR /><b>Menschen nehmen Verzicht als freiheitseinschränkend wahr</b><BR /><BR />„In einer Gesellschaft, die auf Wachstum und Konsum aufbaut, ist es schwierig, eine vernünftige und lebensfreundliche Haltung des Verzichts und der Einschränkung zu propagieren, da das von vielen Menschen als realitätsfremd und freiheitseinschränkend erlebt wird“, sagen Dr. Walter Tomsu und Bruno Marcato<BR /><BR /> „Wenn wir unsere Existenz kritisch hinterfragen, kommen wir zum Schluss, dass das Leben kein Spaziergang, dass es meist unvorhersehbar ist und Schmerz, Leid und Tod letztendlich unausweichlich sind.“ Es sei verständlich, dass Menschen sich wünschten, den Stress und die Mühen des Lebens mit bewusstseinsverändernden Mitteln zu vergessen.<BR /><BR /> Dennoch sei es notwendig zu verstehen, dass ein gutes Leben auch in herausfordernden Zeiten möglich sei. Das sei der Inhalt universeller und auch klinischer Prävention. „Das Finden von alternativen und gesünderen Lebensstilen, einer konstanten Lebenszufriedenheit und Resilienz wirken den falschen Versprechungen des kurzen und trügerischen Glücks ohne Anstrengung und innerer Veränderung entgegen“, erklären die Verantwortlichen von HANDS. <BR /><BR /><b>Es gelte aufmerksam zu sein</b><BR /><BR />Die Risiken einer Gefährdung seien, trotz allgemeinen Wohlstands und Wachstums, in unserer Gesellschaft unvermeidlich verborgen. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass 3 Viertel der europäischen Bevölkerung (Erwachsene und Jugendliche) keine besorgniserregenden Probleme mit legalen und illegalen Substanzen und Verhaltenssüchten haben oder haben werden, gelte es, aufmerksam auf zunehmende Phänomene wie Armut, Traumatisierung, sexueller Missbrauch, auf emotionale Vernachlässigung und Verwöhnung, auf psychische Vulnerabilität, Zukunftsängste und vernachlässigte Berufsausbildung zu schauen. <BR /><BR />Die aktuelle Situation mit COVID, Krieg, Inflation und Klimakatastrophe sei eine besondere. „Diesen Phänomenen sollte seitens spezifischer Einrichtungen für Prävention und Therapie durch Impulse und Angebote begegnet werden, die die Resilienz stärken“, schließen die Verantwortlichen von HANDS ab. <BR /><BR />Es werde wohl unvermeidlich, dass ursprünglich fachlich spezialisierte Einrichtungen sich künftig außerdem mit Fragen zu Lebensstilberatung und Resilienzsteigerung auseinandersetzen. Alle Einrichtungen seien gefordert, sich durch kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Qualität den sich verändernden Bedürfnissen ihrer Klientel zu begegnen, heißt es in einer Aussendung von HANDS.<BR />