Montag, 10. August 2020

Impfdisziplin ist nicht die beste

Die Südtiroler sind Impfmuffel. Das geht aus der wegen des Corona-Notstands verspäteten Erhebung zur Grippeimpfsaison 2019 hervor. Im Vergleich zu 2018 haben sich rund 3500 Südtiroler weniger gegen Grippe impfen lassen. Das berichten die „Dolomiten“ am Montag.

Die Südtiroler sind richtige Impfmuffel.
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Die Südtiroler sind richtige Impfmuffel. - Foto: © DPA-ZENTRALBILD/MARTIN SCHUTT / MARTIN SCHUTT
Dass die Grippe-Durchimpfungsrate 2019 im Vergleich zu 2018 leicht zurückgegangen ist, bereitet Landesrat Widmann nicht großes Kopfzerbrechen. „Mehr oder weniger sind die Zahlen von 2019 dieselben. Allerdings ist zu sagen, dass unsere Impfdisziplin nicht die beste ist. Und ich beziehe mich dabei nicht nur auf die Grippeimpfung, sondern auch auf die Schutzimpfungen gegen Kinderlähmung, Diphterie, Tetanus, Hepatitis usw., bei denen wir in ganz Europa die niedrigsten Durchimpfungsraten aufweisen. Das ist nicht das beste Zeichen“, sagt Widmann.

Dennoch sei er gegen einen Impfzwang und stattdessen für mehr Information. „Der Zwang ist nicht meins. Ich poche auf Eigenverantwortung, denn für mich ist Impfen vernünftig und angebracht“, sagt der Gesundheitslandesrat. Daher werde er – wie in Österreich, das hohe Impfraten aufweist – , auf zusätzliche Information setzen.

Zum Vergleich der Grippeimpfdaten von 2019 mit 2018 müsse er leider feststellen, dass sich von den Mitarbeitern des Sanitätsbetriebs nur gut 16 Prozent haben impfen lassen (siehe obenstehende Grafik). „Verglichen mit den über 65-Jährigen, von denen sich rund 35 Prozent haben impfen lassen, ist der Prozentsatz bei den Angestellten des Sanitätsbetriebs nur halb so hoch. Auch das gibt zu denken, wenn man weiß, dass sie oft mit Risikogruppen zu tun haben“, sagt Widmann. Von 9525 Bediensteten des Sanitätsbetriebs haben sich gerade einmal 1558 Mitarbeiter impfen lassen. „Auch da müssen wir viel mehr Information betreiben“, so Widmann.

„Grippeimpfung kommt im Herbst ganz eine neue Bedeutung zu“

Den höchsten Rückgang bei den Grippeimpfungen hat im Vergleich der 4 Gesundheitsbezirke der bevölkerungsstärkste von Bozen aufzuweisen – mit einem Minus von 4252 Menschen, die im Vergleich zu 2018 auf eine Impfung verzichtet haben.

„Dabei kommt der Grippeimpfung besonders im heurigen Herbst und Winter eine ganz neue Bedeutung zu“, schickt der Gesundheitslandesrat voraus. Denn je mehr sich heuer gegen Grippe impfen lassen, „desto weniger Hustende und grippige Menschen kommen zu den Hausärzten. Und die Grippe-Geimpften machen auch eine Siebung zwischen Influenza und Coronavirus-Infektionen leichter“, meint der Gesundheitslandesrat.

Es sei umso wichtiger, in Altersheimen und bei den Hausärzten Covid-Tests machen zu können, „damit wir schnell eine Influenza von Covid-19 unterscheiden können – und zwar mit den Antigenschnelltests. Je mehr Leute sich gegen Grippe impfen lassen, umso besser“, sagt Widmann. Und dafür werde man zu Herbstbeginn mit einer breiten Impf-Informationsoffensive starten. „Ich danke auch den Hausärzten für die Zusammenarbeit.“

lu