Freitag, 11. Juni 2021

Indische Mutante in Lüsen entdeckt

In Lüsen ist als Pilotprojekt am vergangenen Dienstag ein Impf- und Testtag organisiert worden, da die Infektionszahlen vergangene Woche plötzlich angestiegen waren. In einem Hotelbetrieb waren plötzlich an die 20 Personen infiziert. Am Montag zeigte sich, dass es sich bei dem Virus um die indische Mutante handelt. 133 Bürger ließen sich am Dienstag impfen. Die 250 durchgeführten Antigentest waren alle negativ.

Am Dienstag fand in Lüsen der landesweit erste Impftag in einer Gemeinde statt.
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Am Dienstag fand in Lüsen der landesweit erste Impftag in einer Gemeinde statt. - Foto: © Gemeinde Lüsen
„Ich kann nur alle Bürger und Gemeinden aus meiner Erfahrung warnen, wie schnell die Infektionen ausbrechen können. Vor 10 Tagen waren wir noch eine covidfreie Gemeinde, nur ein Bürger war in Quarantäne. Dann kam es zu einigen Fällen in einem Hotelbetrieb, und die Infektionszahlen stiegen innerhalb von 2 bis 3 Tagen auf rund 20“, berichtet Bürgermeisterin Carmen Plaseller.

In den offiziellen Listen der Gemeinde Lüsen scheinen seit vergangener Woche zwar nur 7 betroffene Bürger auf, tatsächlich dürften es laut Plaseller aber weitere 14 bis 15 Personen sein, da die Hotelmitarbeiter ihren Wohnsitz in anderen Gemeinden haben oder mittlerweile in der Quarantänestation in Gossensaß untergebracht sind. Nach dem Ausbruch in dem Betrieb wurde das Hotel desinfiziert, Mitarbeiter getestet und unter Präventionsquarantäne gestellt sowie die Kontakte der positiv Getesteten verfolgt.

Veranstaltungen wie die Fronleichnamsprozession wurden abgesagt, die Gemeinderatsitzung online durchgeführt.

Zudem bot der Sanitätsbetrieb nach dem plötzlichen Ausbruch Lüsen an, als südtirolweite Pilotgemeinde einen Nachmittag zu organisieren, an dem sich die Lüsner impfen und kostenlos Antigentests unterziehen lassen können. In Zusammenarbeit mit Sanitätsbetrieb, Zivilschutz, Weißes Kreuze, Gemeinde und Feuerwehr fand das Angebot am Dienstag statt. 40 Mitarbeiter der Organisationen sorgten von 14 bis 18 Uhr für einen reibungslosen Ablauf in der Turnhalle.

Von den 600 Lüsnern, die vorher weder erstgeimpft noch genesen waren, ließen sich nicht ganz ein Viertel impfen. Es waren 133 Personen. „Wir haben in Lüsen eine durchschnittliche Durchimpfungsrate und hoffen, dass sich in den kommenden Tagen noch mehr Bürger impfen lassen, damit wir wieder einen normalen Sommer oder Herbst haben werden“, ruft die Bürgermeisterin auf.

Die über 250 durchgeführten Antigen-Tests waren negativ. „Dadurch und durch die Kontaktverfolgung der Infizierten zeigt sich, dass das Infektionsgeschehen auf den Hotelbetrieb begrenzt war“, berichtet Plaseller. Am Montag war auch das Ergebnis der 5 sequenzierten Tests eingetroffen. Bei allen handelt es sich um die indische Mutante, die als sehr ansteckend gilt und sich schnell ausbreitet.

Wie die Mutation nach Lüsen gebracht wurde, konnte der Sanitätsbetrieb laut Bürgermeisterin nicht feststellen.

In einem 1600-Seelen-Dorf wie Lüsen hat der Infektionsherd jedoch für viel Aufregung, Ängste und Gerüchte gesorgt, auch weil die Zahlen an Infizierten nicht in den Listen aufschienen. „Ich habe am Dienstagvormittag ein Informationsschreiben verschickt. Es ist aber eine Gratwanderung, einerseits die Bürger aufzuklären und anderseits Hysterie zu vermeiden. Die Situation war immer unter Kontrolle“, betonte Plaseller.

Den positiv Getesteten gehe es gut und sie befinden sich in häuslicher Quarantäne. Bisher musste niemand ins Krankenhaus. Plaseller hofft sehr, dass sich in den kommenden Tagen noch mehr Lüsner impfen lassen.

mpi