Donnerstag, 30. Januar 2020

Kein Mord, sondern „tragischer Unfall“

Patrick Pescollderungg aus Reischach hat Maria Magdalena Oberhollenzer, genannt Marlene, nicht ermordet. Ihr Tod am 27. Dezember 2018 war ein tragischer Unfall.

Maria Magdalena Oberhollenzer starb im Dezember 2018.
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Maria Magdalena Oberhollenzer starb im Dezember 2018. - Foto: © privat

Zu dem Schluss ist die Bozner Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen gekommen. Pescollderungg ist wieder auf freiem Fuß. Seine Verteidiger haben ein Vergleichsangebot unterbreitet.

Es handelt sich um ein Angebot für einen sogenannten erweiterten gerichtlichen Vergleich, der ein Strafmaß von unter 5 Jahren vorsieht. Ob der Vergleich abgesegnet wird, entscheidet der Untersuchungsrichter. Ein Termin ist noch nicht festgelegt. Als Geschädigte scheinen die Hinterbliebenen von Maria Magdalena Oberhollenzer (54) auf.

Die Ermittlungen zu ihrem Tod hatten von Anfang an um einen Kernpunkt gekreist – nämlich, ob sie ermordet wurde oder ob sie ihr Leben bei einem erotischen Spiel verloren hat, das aus dem Ruder gelaufen war.

Patrick Pescollderungg (35), der u.a. mit Hilfe von Überwachungsaufnahmen als dringend Tatverdächtiger ausgeforscht worden war, hatte jedenfalls immer beteuert, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei.

Er hatte eingeräumt, dass er Marlene am Abend des 26. Dezember 2018 in ihrer Wohnung in St. Georgen besucht hatte. Sie seien befreundet gewesen und hätten in regelmäßigem Kontakt gestanden. Er habe aber nie die Absicht gehabt, sie zu töten, es sei ein Unfall gewesen.

Auf diesen gemeinsamen Nenner dürften dann letztendlich auch die medizinischen Gutachter von Staatsanwaltschaft (Dr. Dario Raniero) und Verteidigung (Dr. Vito Cirielli und Dr. Gloria Castellani) gekommen sein. Wie berichtet, war Maria Magdalena Oberhollenzer am 27. Dezember 2018 leblos auf ihrem Bett aufgefunden worden. Sie trug nur einen Bademantel.

Die Autopsie ergab, dass die 54-Jährige stranguliert worden war – mit dem Gürtel des Bademantels. Wie Rechtsanwalt Marco Mayr, der Pescollderungg gemeinsam mit seinem Kollegen Ivo Tschurtschenthaler vertritt, betonte, habe die Autopsie u.a. ergeben, dass nicht sehr viel Blut in das umgebende Gewebe am Hals ausgetreten sei.

Das zeige, dass der Gürtel nicht stark zugezogen worden sei und damit auch, dass keine Tötungsabsicht bestanden habe. Wie berichtet, hatte ursprünglich durchaus der Verdacht im Raum gestanden, dass es sich um Mord gehandelt haben könnte. Je weiter die Ermittlungen fortschritten, desto deutlicher wiesen die Indizien auf ein Unglück hin. Die Vorhaltung von Staatsanwalt Andrea Sacchetti an Pescollderungg lautet demnach auf fahrlässige Tötung.

Den Ausgang des Verfahrens wird der 35-Jährige jedenfalls in Freiheit abwarten. Pescollderungg war Mitte Jänner vorigen Jahres verhaftet worden, im Juni wurde er vom Gefängnis in den Hausarrest überstellt, und seit knapp 2 Monaten ist er wieder auf freiem Fuß.

rc