Montag, 18. Januar 2021

Kellnerin rettet misshandelten Jungen mit einem Zettel

„Brauchst du Hilfe?“: mit diesem Satz – geschrieben auf ein Stück Papier – rettete die Kellnerin Flavaine Carvalho einem Jungen womöglich das Leben.

„Brauchst du Hilfe?“: Mit diesem Zettel konnte Flavaine Carvalho einem 11-jährigen Jungen helfen.
„Brauchst du Hilfe?“: Mit diesem Zettel konnte Flavaine Carvalho einem 11-jährigen Jungen helfen. - Foto: © Orlando Police Department
Eigentlich wäre Flavaine Carvalho an diesem Tag nicht zum Dienst in dem Restaurant in Orlando im US-Bundesstaat Florida eingeteilt gewesen. Doch sie musste für einen kranken Kollegen einspringen, wie das Nachrichtenportal CNN berichtet. Zum Glück, denn so konnte die aufmerksame Kellnerin dem 11-Jährigen helfen. Der Junge war regelmäßig von seinem Stiefvater schwer misshandelt worden, bis er am Neujahrstag mit seiner Familie in ebendieses Lokal kam.

An einem der Tische im Restaurant saß an jenem Abend eine 4-köpfige Familie bestehend aus den Eltern und 2 Kindern. Carvalho bemerkte, dass etwas mit einem der beiden Kinder nicht stimmte. Ihr fielen nicht nur mehrere Prellungen an den Armen und am Gesicht des Jungen auf, er durfte auch nichts zum Essen bestellen. „Man verweigert einem Kind doch nicht einfach das Essen“, so Carvalho gegenüber CNN. Der Bub würde später zuhause essen, hieß es von den Eltern. „Ich dachte mir die ganze Zeit, ich muss einfach etwas tun. Ich konnte diesen Jungen nicht ohne jegliche Hilfe gehen lassen“, sagt die Kellnerin.

„Geht es dir gut? Brauchst du Hilfe?“

Also schrieb sie auf einen Zettel die Worte „Geht es dir gut?“, welchen sie dem Jungen hinhielt, ohne dass dessen Eltern etwas davon mitbekamen. Als der 11-Jährige den Kopf schüttelte, zeigte die Kellnerin ihm noch einen zweiten Zettel mit den Worten „Brauchst du Hilfe?“ („Do you need help?“). Als der Bub nickte, zögerte Carvalho nicht lange und rief die Polizei.

Als diese dann kurze Zeit später eintraf und den Jungen befragte, offenbarte der Bub grausame Details der Misshandlung. So war er von seinem Stiefvater unter anderem kopfüber an eine Tür gebunden und mit einem Holzstock geschlagen worden und ihm war regelmäßig als Strafe das Essen verweigert worden. „Was dieses Kind durchmachen musste, war eine Folter“, sagt Ermittlerin Erin Lawler gegenüber CNN. „Hätte Frau Carvalho nichts unternommen, so wäre der Junge wahrscheinlich nicht mehr lange unter uns gewesen.“

Die Eltern des Kindes wurden festgenommen. Der Stiefvater wird des schweren Kindesmissbrauchs und der Kindesvernachlässigung beschuldigt. Wie die Mutter gegenüber der Polizei zugab, hatte sie von der Misshandlung gewusst, jedoch nichts unternommen. Auch sie wird der Kindesvernachlässigung beschuldigt.

psy

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