Am 25. Juni wird in Dobrla vas/Eberndorf in Südkärnten die vierte Ausgabe der Europeada eröffnet; geografisches Zentrum ist der Klopeiner See mitten im Siedlungsgebiet der Kärntner Slowenen. Sie erlitten wie die Ladiner im Süden Tirols nach dem Ersten Weltkrieg in ihrer Entwicklung als Sprachgruppe einen schweren Schlag und wären später durch das Nazi-Regime fast in einem dramatischen Schicksal miteinander verknüpft worden.<h3> Slawen und Ladiner waren als erste da</h3>Bei beiden ist unstrittig, dass sie als erste da waren: Es gibt genügend Zeugnisse für die Existenz des slawischen Fürstentums Karantanien, die beweisen, dass die Vorfahren der heutigen, deutsche Mundarten sprechenden Kärntner erst nach den Slawisch sprechenden Kärntnern im heutigen Kärnten sesshaft wurden. Im Fall der Ladiner gibt es keine Diskussion darüber, dass ihre Sprache aus dem Vulgärlateinischen der römischen Provinz Raetia entstanden ist und sie schon lange im heutigen Süden Tirols siedelten, ehe bajuwarische Neuankömmlinge eintrafen – die Vorfahren der heutigen deutschsprachigen Südtiroler.<h3> Ähnliche Größe</h3> Auch die Größe der beiden Volksgruppen ist ähnlich: Die Zahl der Ladiner wird auf 35.000 geschätzt. Die Zahl der bekennenden Kärntner Slowenen ist zwar laut Volkszählung auf mittlerweile 12.000 zusammengeschmolzen, doch gehen Experten davon aus, dass es bei der Zählung methodische Probleme gab und so mancher Slowene ein Bekenntnis vermeidet; die Volksgruppe selbst gibt eine Zahl von bis zu 50.000 Angehörigen an.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="777956_image" /></div> <h3> Sprachenstreit</h3> Beiden Volksgruppen gemeinsam ist auch ein Sprachenstreit, der allerdings vollkommen unterschiedlich gelagert ist. In Kärnten geht es um das Windische. Mit einer in den 1920-er Jahren entwickelten Ideologie wurde von deutschsprachigen Kärntnern versucht, die Slowenen in „gute“, assimilierungswillige und in „böse Heimatverräter“ zu spalten, die auf ihrer slowenischen Identität beharren. Laut dieser „Windischen“-Theorie ist das sogenannte Windische eine Mischsprache dieser „guten“ Slowenen, die zu unterscheiden sei vom Slowenischen. Die Sprachwissenschaft hat allerdings nachgewiesen, dass das Windische nichts anderes ist als der lokale slowenische Dialekt, der – wie viele Minderheitensprachen – stark mit Lehnwörtern aus der Mehrheitssprache durchsetzt ist, in diesem Fall mit deutschen. <BR /><BR />Bei den Ladinern handelt es sich dagegen um einen internen Konflikt. Sie haben nicht wie die Kärntner Slowenen – und das ist der große Unterschied zwischen beiden – ein Mutterland, dessen Standardsprache sie benutzen könnten. Sprachwissenschaftler sind sicher, dass eine Sprache solch eine Standardsprache als stabilisierendes Dach über den einzelnen Varianten braucht, um überleben zu können. Mit Ladin Dolomitan wurde der Versuch gemacht, eine Standardsprache zu schaffen. Die Umsetzung wurde aber aus politischen Gründen gestoppt. Bis heute existieren in den 5 ladinischen Gebieten ebenso viele Mundarten, die keine gemeinsame Entwicklung nehmen. <h3> Kärntner Abwehrkampf und Zerreißung Tirols </h3> Ladiner wie auch die Slowenen erlitten nach dem Ersten Weltkrieg schwere Rückschläge in ihrer Fortentwicklung als nationale Minderheit. Die Ladiner wurden mit dem Süden Tirols vom Mutterland Österreich abgetrennt, ihr Gebiet auf 3 Provinzen und 2 Regionen aufgespalten und so versucht, den inneren Zusammenhalt zu sprengen. Diese Spaltung ist bis heute gegen den Willen der Ladiner aufrecht. <BR /><BR />Auch den Slowenen in Kärnten wurde übel mitgespielt. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte das neu geschaffene Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben (SHS-Staat), sich Südkärnten einzuverleiben. Die Kärntner verteidigten sich im sogenannten Abwehrkampf. Die Alliierten beschlossen, dass eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Österreich oder zum SHS-Staat entscheiden sollte. Am 10. Oktober 1920 stimmten fast 60 Prozent der Bürger für Österreich – also auch mindestens 40 Prozent der Slowenen. <BR /><BR />Das anfänglich gute Verhältnis zwischen deutsch- und slowenischsprachigen Kärntnern – den Slowenen waren vor dieser Volksabstimmung weitreichende Rechte versprochen worden – verschlechterte sich rasch; die Zusagen wurden nicht eingehalten.<BR /><BR /> <a href="www.europeada.eu/home/de" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Website Europeada">www.europeada.eu/home/de</a><BR /> <a href="www.nsks.at/aktualno_aktuell/de" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Website Rat der Kärntner Slowenen">www.nsks.at/aktualno_aktuell/de</a><BR /><BR /><b>Lesen Sie demnächst in Teil 2 der 4-teiligen Serie: Wie Železna Kapla zu Urtijëi werden hätte können</b>.