Montag, 20. April 2020

Matura: Verärgerte Abendschüler

Pirmin Anstein ist besorgt: Er besucht die 5. Klasse der Abendschule in Meran und hätte gemeinsam mit den anderen Maturanten die Prüfung absolvieren sollen. Hätte, denn mit dem Coronavirus ist alles anders. Eine römische Regelung soll nämlich die Prüfung für externe Maturanten auf Herbst verschieben. „Im Grunde heißt das, dass uns die Möglichkeit genommen wird, im Herbst ein Studium zu beginnen“, folgert er – und findet das diskriminierend.

Abendschüler können ihre Matura wahrscheinlich erst im Herbst ablegen.
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Abendschüler können ihre Matura wahrscheinlich erst im Herbst ablegen. - Foto: © shutterstock
Tatsächlich hat Unterrichtsministerin Lucia Azzolina ein Dekret herausgegeben zum weiteren Verlauf des Schuljahres und der Maturaprüfung. Darin werden Abendschüler als „externe“ Schüler bezeichnet, und für diese sollen andere Termine gelten als für die Tagesschüler; zudem ist eine Vorprüfung für die Zulassung zur Matura vorgesehen. „Jetzt stellen wir uns die Frage, wie es sein kann, dass die Tagesschüler direkt zur Matura antreten können und wir uns einer Vorprüfung unterziehen müssen, um danach zur Matura zugelassen zu werden, die erst im September stattfinden sollte“, ärgert sich Anstein.

Er wünscht sich eine Südtiroler Intervention in Rom und stellt den Verantwortlichen die persönlichen Konsequenzen für die Abendschüler vor Augen: „Die Abendschule ist für viele auch ohne zusätzliche Hindernisse eine Herausforderung. Wir müssen Arbeit und Schule unter einen Hut bekommen und unser oft sehr spärliches Budget managen, um überhaupt die Dauer der Abendschule überwinden zu können“, weiß er.

Auch habe man sich die Arbeit entsprechend der ursprünglichen Maturatermine eingeteilt. Viele hätten bereits jetzt diese Auszeit in Anspruch genommen und müssten somit später, in ein paar Monaten nach Beendigung der Notstandssituation, wiederum für einen größeren Zeitraum auf oft dringend gebrauchtes Einkommen verzichten. Und wer geplant hatte, zu studieren, werde ausgebremst, denn für die Einschreibungen müsse man ja das Maturazeugnis nachweisen.

Gleichstellung angestrebt

„Das wiederum hieße, wir verlieren ein Jahr unsere Weiterbildung, und das können wir uns angesichts des eh schon erhöhten Alters wirklich nicht leisten“, argumentiert Anstein.

„Wir wissen um das Problem“, beruhigt Bildungslandesrat Philipp Achammer. Während es im restlichen Staatsgebiet eigene Abendschulen gibt und dort die Schüler entsprechend als „interne“ Schüler gelten, ist die Situation in Südtirol anders. Hier sind Abendschüler „externe“ Schüler der normalen Schulen.

„Das war bislang nie ein Problem, weil es faktisch keinen Unterschied macht. Nur in diesem neuen Schuldekret entsteht dadurch ein Nachteil. Das ist absolut unglücklich. Aber wir werden versuchen, eine entsprechende Änderung in Rom zu bewirken. Das Dekret muss in den Senat und dort nimmt sich Meinhard Durnwalder der Sache an. Wir hoffen, dass wir innerhalb der Woche wissen, ob wir mit unserem Anliegen, unsere Abendschüler denen im restlichen Staatsgebiet bei den Maturaterminen gleichzustellen, durchdringen“, sagt Achammer.

ih